Schwergewichtige Kinder mit Multipler Sklerose erleiden häufiger Schübe als Normalgewichtige

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Übergewicht und Adipositas sind bei Kindern mit Multipler Sklerose mit einer erhöhten Schubrate unter der Erstlinientherapie mit Interferon Beta und Glatirameracetat assoziiert.

Hintergrund

Mehreren Berichten zufolge erhöht sich bei Kindern unter einer Adipositas das Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken. Dagegen weiß man nur wenig darüber, inwiefern dadurch auch der Krankheitsverlauf beeinflusst wird.

Design

Unizentrische, retrospektive Studie anhand der Daten des MS-Zentrums für Kinder und Jugendliche in Göttingen für die Jahre 1990 bis 2016. Eingeschlossen wurden 453 Patienten mit schubförmiger pädiatrischer MS, deren BMI innerhalb von 6 Monaten nach der Diagnose bestimmt worden war. Die mittlere Krankheitsdauer betrug 38,4 Monate. Als Kontrollen zur Ermittlung der Chancenverhältnisse OR dienten 14747 Kinder aus einer nationalen Gesundheitsumfrage.

Ergebnisse

  • Etwa zwei Drittel der Kinder waren weiblich, das Durchschnittsalter bei der Diagnose betrug 13,7 Jahre.
  • 126 (27,8%) der Patienten waren bei der Diagnose der MS adipös; diese Kinder hatten ein etwa doppelt so hohes Risiko, an MS zu erkranken (OR für Mädchen 2,19; für Jungen 2,14).
  • Adipöse Patienten hatten, im Vergleich zu jenen ohne Übergewicht, signifikant mehr Schübe unter der Erstlinientherapie mit Interferon Beta und Glatirameracetat. Das adjustierte relative Risiko aRR betrug 1,29 versus 0,72 (P
  • In dieser Gruppe war auch eine Zweitlinientherapie häufiger erforderlich (56,8 % versus 38,7 %), allerdings war der Unterschied nicht signifikant (P = 0,06).
  • Nicht mit dem BMI korreliert waren unter anderem der Zeitraum zwischen dem ersten und dem zweiten Schub, die Häufigkeit von Schüben vor der Behandlung und die Progression der Behinderung gemäß EDSS.

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt nicht nur das erhöhte Risiko einer pädiatrischen MS infolge von Übergewicht; sie zeigt auch, dass diese Patienten nicht besonders gut auf die Erstlinientherapie ansprechen. Die Autoren halten eine veränderte Pharmakokinetik für die wahrscheinlichste Erklärung und legen nahe, dass eine Gewichtsreduktion oder eine Dosisanpassung anhand des BMI das Ansprechen auf die Therapie verbessern könnten.

Finanzierung: Keine Angaben.