Schweregrad der Parkinson-Krankheit könnte zuverlässig per Smartphone erfasst werden


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Mit einer mobilen App kann der Schweregrad der Parkinson-Erkrankung anhand von fünf Tests gemessen werden. Im Vergleich zu einer klinischen Untersuchung und den üblichen Bewertungsskalen erzielt der „mobile Parkinson Disease Score“ eine hohe Überreinstimmung.

Hintergrund

Mit den allgegenwärtigen Smartphones und speziell dafür geschriebenen Programmen („Apps“) können die Aktivitätsdaten der Besitzer automatisch erfasst und ausgewertet werden. Im Fitnessbereich werden auf diese Art bereits Schritte gezählt, Strecken aufgezeichnet, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden, oder Dauer und Intensität des Schlafes gemessen. Das Potenzial dieser Technologie für die Quantifizierung und Verlaufskontrolle neurologischer und anderer Krankheiten ist offensichtlich. Allerdings muss die Eignung für medizinische Anwendungen in Studien belegt werden, wie dies hier exemplarisch für die mobile Messung des Schweregrades der Parkinson-Krankheit geschah.

Design

Konzeption einer App für den heimischen Gebrauch mit fünf Aufgaben für Parkinson-Patienten. Ein selbst-lernender Algorithmus errechnet dabei einen Wert zwischen 0 und 100 für die Schwere der Erkrankung (mobile Parkinson disease score, mPDS) aus Stimmaufnahmen, einer Fingerübung, der Gangart, Balance und Reaktionszeit, die allesamt mit dem Handy erfasst wurden. In 6148 Messungen im Verlauf eines halben Jahres wurde der mPDS der 129 Studienteilnehmer errechnet. Darunter erhielten 23 Personen mit und 17 ohne Parkinson zusätzlich noch eine klinische Untersuchung, aus der dann die Korrelation des mPDS mit gebräuchlichen Bewertungsskalen bestimmt wurde.

Hauptergebnisse

  • Der mobile Parkinson disease score (mPDS) zeigte eine gute Übereinstimmung mit den in der Klinik bestimmten Werten: Für die Movement Disorder Society Unified Parkinson Disease’s Rating Scale (MDS-UPDRS) betrug der Korrelationskoeffizient r 0,81, für den Unterbereich III dieser Skala war r=0,88, und für das Staging nach Hoehn und Yahr war r=0,91 (alle Korrelationen P<0,001). Für den „Up and Go“-Test war die Übereinstimmung der Bewertung etwas geringer; hier war r=0,72 (P=0,002).
  • der mPDS wurde am stärksten durch Gangstörungen beeinflusst.
  • Auf einer Skala von 0 bis 100 konnte der mPDS Fluktuationen der Symptome von einem Tag auf den nächsten nachweisen, die sich im Mittel auf 13,9 Punkte beliefen.
  • Als Reaktion auf eine dopaminerge Therapie verbesserte sich der mPDS durchschnittlich um 16,3 Punkte.

Klinische Bedeutung

Mit der Validierung der mobil bestimmten Schwere der Parkinson-Erkrankung und der dafür entwickelten Skala haben die Autoren gezeigt, dass eine automatisierte Bewertung möglich ist. Sie wird klinische Untersuchungen sicher nicht überflüssig machen, könnte aber die Datenerhebung vereinfachen und überdies objektiver machen. Wohin die Reise geht zeigt auch das europäische Forschungsprojekt i-Prognosis – eine Datensammlung per App zur Früherkennung der Parkinson-Krankeit.

Finanzierung: Michael J. Fox Foundation, National Institute of Neurological Disorders and Stroke.