Schwere Schlafapnoe ist ein Risikofaktor für postoperative kardiovaskuläre Komplikationen

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Menschen mit einer a priori unerkannten, schweren Schlafapnoe haben bei größeren chirurgischen Eingriffen, die nicht das Herz betreffen, im Folgemonat ein mehr als doppelt so hohes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen.

Hintergrund

Eine nicht erkannte Schlafapnoe erhöht generell das kardiovaskuläre Risiko. Ob dies auch für die postoperative Phase nach größeren, nicht-kardialen Eingriffen gilt, ist unklar.

Design

Prospektive, multinationale Kohortenstudie mit 1364 erwachsenen, zumeist asiatischen Risikopatienten ohne vorherige Diagnose einer Schlafapnoe, die sich an einer Klinik einem größeren, nicht-kardialen chirurgischen Eingriff unterziehen mussten. Vor der Operation waren die Patienten mittels portabler Geräte anhand der Häufigkeit respiratorischer Ereignisse in 3 Klassen der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) eingeteilt worden: Mild, moderat, und schwer. Danach wurden sie mittels nächtlicher Pulsoxymetrie und Bestimmung der kardialen Troponin-Konzentrationen überwacht;  primäres Studienziel war ein Kompositwert für myokardiale Verletzungen und Todesfälle, Herzversagen, Thromboembolien, Vorhofflimmern und Schlaganfall in den 30 Tagen nach der Operation.

Ergebnisse

  • In die Analyse konnten 1218 Patienten im mittleren Alter von 67 Jahren (59,8 % männlich) eingeschlossen werden. 30 Tage postoperativ erlitten ein größeres Ereignis:
    • 30,1 % der Patienten mit schwerer OSA
    • 22,1 % mit moderater OSA
    • 19,0 % mit leichter OSA sowie
    • 14,2 % der Patienten ohne OSA
  • Eine OSA war mit einem höheren Risiko für das primäre Studienziel assoziiert (adjustiertes Chancenverhältnis aHR 1,49 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,19 – 2,01; P = 0,01).
  • Signifikant war diese Assoziation jedoch nur für Patienten mit schwerer OSA (aHR 2,23, 95%-KI 1,49 – 3,34; P = 0,001).
  • Die mittlere kumulative Dauer einer Sauerstoffunterversorgung (
  • Diese Interaktionen waren unabhängig von der Art der Anästhesie, dem Gebrauch von Opioiden und einer zusätzlichen Sauerstofftherapie.

Klinische Bedeutung

Wird eine schwere Schlafapnoe nicht erkannt, so besteht bei nicht-kardialen Operationen ein mehr als doppelt so hohes Komplikationsrisiko. Die Kommentatoren Dennis Auckley und Stavros Memtsoudis, beides Mitglieder der US-Gesellschaft für Schlafmedizin, sehen in der Studie einen „Weckruf“ und loben sie im Gegensatz zu früheren Untersuchungen als „groß, prospektiv und gut organisiert“. Die Forderung, Risikopatienten vorab zu identifizieren, wird aber nicht gestellt, sondern lediglich auf die unbefriedigende Datenlage verwiesen, während die Studienautoren Forschungen zum Nutzen möglicher Interventionen fordern.

Finanzierung:  Diverse öffentliche und universitäre Geldgeber. Die Geräte wurde ohne Einschränkungen von dem kalifornischen Unternehmen ResMed ausgeliehen.