Schwere Pneumonie bei SARS-CoV-2 plus HIV nimmt ein gutes Ende

  • Journal of Medical Virology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Patienten mit Immunschwäche, etwa HIV-Patienten, die sich mit dem neuen Coronavirus infizieren, sind vermutlich auch als besonders gefährdete Gruppe von Patienten einzustufen. Dies schlussfolgern chinesische Ärzte aus der Krankheitsgeschichte eines HIV-Patienten, der sich zudem mit SARS-CoV-2 infizierte. HIV-Positive, die erfolgreich antiviral behandelt werden, haben vermutlich aber kein erhöhtes Risiko.

Der Patienten und seine Geschichte 

Bei dem Patienten handelte es sich um einen 61-jährigen Mann aus dem Bezirk Hankou in Wuhan, der wegen Fieber und trockenem Husten Ende Januar eine Klinik aufsuchte.  Der Mann war starker Raucher und litt an einem zwei Jahre zuvor diagnostizierten Ty-2-Diabetes. Behandelt wurde er mit Metformin und Alogliptin. 

Die Befunde

Körpertemperatur 37,5 ° C, leichte Lymphopenie (1,1x10 9 /l)

Thorax-CT: SARS-CoV-2-Pneumonie, bilateral mit den charakteristischen Milchglastrübungen, die sich bereits früh im Verlauf der Erkrankung zeigen.

Behandlung und Verlauf

Der Patient wurde zu Hause unter Quarantäne gestellt und auch von seinen Familienmitgliedern isoliert. Aufgrund mangelnder Testkits wurde erst am 3. Februar ein RT-PCR-Test (Reverse Transkriptase Polymerase Chain Reaction) zum Nachweis des neuen Coronavirus (Rachenabstrich) durchgeführt. Der Test war positiv. 

In diesen Tagen (Anfang Februar) entwickelte der Mann außer Fieber und Husten bereits eine Dyspnoe, so dass erneut eine Computertomographie gemacht wurde. Diese zeigte eine progrediente Pneumonie. Der 61-Jährige wurde daraufhin stationär in ein Krankenhaus in Wuhan aufgenommen, das auf die neue Infektionskrankheit spezialisiert war. Bei der Aufnahme ergab die körperliche Untersuchung eine Körpertemperatur von 39 °C, eine Atemfrequenz von 30 Atemzügen pro Minute und eine Sauerstoffsättigung von 80%; durch Sauerstoffapplikation über eine Maske (5 l/min) konnte die Sättigung auf 91 Prozent erhöht werden.

Die Blutgasanalyse ergab: pH 7,41, PCO 2 37,4 mmHg, PO 2 63,9 mm Hg und HCO 3 - 23,4 mmol/l. Die Lymphozyten-Zahl sank weiter auf 0,56 × 1,1x10 9 /l; der CD4-T—Lymphozytenanteil  betrug 4,75%. Ein daraufhin durchgeführter HIV-Test war positiv. 

Behandelt wurde der 61-Jährige mit Lopinavir/Ritonavir (400/100 mg zweimal täglich über 12 Tage). Außerdem erhielt er sieben Tage lang einmal täglich 400 mg Moxifloxacin, 3 Tage lang einmal täglich 400 mg/kg Gamma-Globulin und 3 Tage lang einmal täglich 0,8 mg/kg Methylprednisolon intravenös.

Am 9. Februar zeigte der Patient eine deutliche klinische Besserung; auch der radiologische Befund war besser geworden. Eine erneute zweimalige PCR-Diagnostik auf das neue Coronavirus am 15. Februar war negativ. Am 17. Februar konnte der Mann das Krankenhaus verlassen. 

Schlussfolgerung 

Unter den mit SARS-CoV-2 infizierten Patienten müssen immungeschwächte Patienten wie etwa HIV-Patienten als Risikopatienten angesehen werden. 

Zu beachten ist dabei allerdings, dass, wie kürzlich gemeldet , HIV-Patienten unter ART und bei einer Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze kein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten haben. So bestehe nach Einschätzung des Infektionsmediziners Prof. Dr. med. Johannes Bogner (Klinikum der Universität München) für HIV-Patienten mit wirksamer ART keine erhöhte Gefahr durch das Coronavirus. HIV-Infizierte gehörten nicht zu dem Personenkreis mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf – vorausgesetzt es liegen keine zusätzlichen Erkrankungen von Leber, Nieren, Lungen oder Herz-Kreislaufsystem vor.