Schwere Harnwegsinfekte: Freispruch für Gliflozine aus Mangel an Beweisen

  • Annals of Internal Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft 

Die Therapie mit SGLT-2-Hemmern ist einer Kohortenstudie nach nicht mit einem höheren Risiko für schwere Harnwegsinfektionen verbunden, als die Therapie mit anderen Antidiabetika.

Hintergrund

Die Behandlung mit Gliflozinen geht mit einem erhöhten Risiko für genitale Mykosen einher. Das gilt als relativ gesichert. Bisherige Studien zum Risiko für schwere Harnwegsinfektionen bei Therapie mit SGLT-2-Hemmern haben jedoch widersprüchliche Ergebnisse geliefert. Da diese Antidiabetika aber mehreren Studien zufolge einen recht großen kardiovaskulären Nutzen haben, ist die exakte Kenntnis des Nebenwirkungsprofils für die Wahl der Therapie von großer Bedeutung. 

Design

Populations-basierte Kohortenstudie, anhand zweier US-Datenbanken zu Schadensersatzforderungen von erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes, die eine Therapie mit Gliflozonen oder anderen Antidiabetika (Kohorte 1 DPP4-Inhibitoren, Kohorte 2 GLP-1-Agonisten) erhalten hatten. Zur Kohorte 1 zählten 123.752 Patienten, zur zweiten Kohorte 111.978 Patienten. Primärer Endpunkt der Studie waren schwere Harnwegsinfektionen (Hospitalisierung, Sepsis, Pyelonephritis).

Hauptergebnisse 

  • In der Kohorte 1 betrug die Inzidenzrate schwerer Harnwegsinfektionen unter SGLT-2-Hemmern 1,76 pro 1000 Personen-Jahre, unter DPP-4-Hemmern 1,77 (HR 0,98, CI 0,68 - 1,41).
  • In der Kohorte 2 betrug die Inzidenzrate unter den Gliflozinen 2,15, unter GLP-1-Agonisten 2,96 (HR 0,72, CI 0,53 - 0,99).
  • Darüber hinaus ergab die Analyse keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für leichte, ambulant antibiotisch behandelte Harnwegsinfektionen unter Gliflozinen in Relation zu anderen Antidiabetika. 

Klinische Bedeutung

Die  Daten aus der Versorgungsrealität sprechen nicht dafür, dass SGLT-2-Inhibitoren mit einem höheren Risiko für schwere Harnwegsinfektionen assoziiert sind als andere Antidiabetika. Ein Pluspunkt ist dabei die große Zahl der Patienten, deren Daten ausgewertet wurden. Allerdings ist zu beachten, dass es sich bei diesen Patienten um eine „ausgewählte“ Population handelte, so dass die Ergebnisse nicht uneingeschränkt zu generalisieren sind. 

Finanzierung:  Brigham and Women's Hospital (Boston)