Schwedische Studie dokumentiert Fortschritte gegen die schubförmig-remittierende Multiple Sklerose


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Daten des schwedischen MS-Registers zeigen, dass Patienten mit der schubförmig-remittierenden Form der Krankheit heute weniger schnell kritische Punkte mit anhaltenden schweren Behinderungen erreichen, als noch 10 Jahre zuvor. Bei der primär-progredienten Form gab es dagegen keine Veränderungen.

Hintergrund

Erfahrungswerte von Klinikern legen nahe, dass die Multiple Sklerose bei vielen Patienten heute einen langsameren Verlauf nimmt als früher. Diese Vermutung sollte hier in anhand des schwedischen MS-Registers überprüft werden.

Design

Ziel dieser landesweiten, populationsbasierten, retrospektiven Kohortenstudie war es herauszufinden, ob das Risiko des Erreichens von kritischen Punkten im Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose sich in Schweden während der vergangenen Dekade verändert hat. Man stützte sich dabei auf die Daten von zunächst 12512 Patienten des schwedischen MS-Registers, von denen 7331 eingeschlossen wurden, die ihre Diagnose zwischen 1995 und 2010 erhalten hatten, und für die mindestens 2 Messungen des Behinderungsgrades gemäß der Skala EDSS vorlagen. Das Follow-Up dauerte bis Ende 2016 mit einem Median von 8,5 Jahren.

Hauptergebnisse

  • Die Studienteilnehmer waren zu 70,9 % weiblich und im Durchschnitt mit 38,3 Jahren diagnostiziert worden.
  • Adjustiert für Geschlecht, Zahl der Klinikaufenthalte, verzögerte Diagnose und Alter bei Krankheitsbeginn fand man eine Abnahme des Risikos für das Erreichen aller drei Wendepunkte im Krankheitsverlauf bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS (RRMS). Für sie betrug die jährliche Risikoreduktion:
    • 3 % für EDSS 3,0 (Chancenverhältnis HR 0,97; 95%-Konfidenzintervall 0,96 – 0,97)
    • 6 % für EDSS 4,0 (HR 0,94; 95%-KI 0,93 – 0,95)
    • 7 % für EDSS 6,0 (HR 0,93; 95%-KI 0,91 – 0,94)
  • für Patienten mit der primär-progredienten Form der MS blieb die Wahrscheinlichkeit unverändert, die gleichen kritischen Punkte zu erreichen. (HR 1,01 für EDSS 3,0; HR 1,00 für EDSS 4,0; und HR 1,00 für EDSS 6,0).

Klinische Bedeutung

Für Patienten mit RRMS ist diese Studie eine gute Nachricht. Der Rückgang des Risikos für schwerste Behinderungen von jährlich 7 %, und etwas moderater für weniger starke Behinderungen ist nicht nur statistisch signifikant, sondern dürfte auch klinisch relevant und für viele Menschen mit einer höheren Lebensqualität verbunden sein. Ein ähnlicher Trend ist auch in Deutschland zu erwarten, und hier wie dort ist die wahrscheinlichste Begründung die höhere Wirksamkeit einer neuen Generation von MS-Medikamenten. Diese Erklärung bieten auch die Autoren als eine Möglichkeit an und untermauern die These mit dem Hinweis auf fehlende Fortschritte für Patienten mit der primär-progredienter Form der MS, für die es noch keine vergleichbar wirksamen Behandlungsoptionen gibt.

Finanzierung: Schwedischer Forschungsrat (Vetenskapsrådet) und Schwedische Hirn-Stiftung (Hjärnfonden).