Schutz vor Schädel-Hirn-Traumen ist vermutlich auch Demenz-Schutz


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Hirnverletzungen gehen mit einem erhöhten Demenz-Risiko einher, besonders in den ersten Monaten nach dem Trauma. Das Risiko ist umso größer, je stärker das zerebrale Trauma ist und je häufiger ein Patient ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. 

Hintergrund

Mehrere Studien haben in den vergangenen Jahren einen Zusammenhang zwischen Schädel-Hirn-Traumen (SHT) und Demenz-Symptomen ergeben. Besonders große Aufmerksamkeit erhalten seit einiger Zeit Befunde, wonach selbst relative leichte, aber häufige SHT zu einer progredienten Hirnerkrankung (chronisch-traumatische Enzephalopathie) führen können, die unter anderem mit Demenz-Symptomen einhergeht. Nicht alle Studien zum Zusammenhang zwischen SHT und Demenz sind jedoch von ausreichender Qualität. Weitere Forschungsarbeit gilt daher als notwendig.

Design

Kohortenstudie mit Daten aus dänischen Registern zu in Dänemark geborenen Personen, die zwischen 1999 und 2013 mindestens 50 Jahre alt waren. Ausgewertet wurden Daten von 2.794.852 Personen mit einer Beobachtungszeit von 27.632.020 Personen-Jahren (Beobachtungszeit pro Person im Mittel 9,89 Jahre). 132.093 Personen (4,7%) hatten im Zeitraum 1977 bis 2013 wenigstens ein SHT erlitten, bei 126.734 (4,5%) wurde zwischen 1999 und 2013 erstmals eine Demenz diagnostiziert,

Hauptergebnisse

Die Berechnungen ergaben für Personen mit SHT in der Vorgeschichte ein um 24 Prozent erhöhtes Risiko für eine Demenz-Erkrankung (hazard ratio [HR] 1,24, 95% CI 1,21 – 1,27). Von den Personen mit Demenz hatten 5,3 Prozent ein SHT erlitten, in der Vergleichsgruppe ohne Demenz waren es 4,7 Prozent. Für die Alzheimer-Demenz wurde eine Risiko-Zunahme von 16 Prozent errechnet. Am größten ist das Demenz-Risiko in den ersten sechs Monaten nach dem SHT (relativer Anstieg um 300  Prozent).

Wichtige Einflussfaktoren sind die Schwere des zerebralen Traumas und die Häufigkeit. So geht ein einziges schweres SHT mit einem um 35 Prozent erhöhten Demenz-Risiko einher; für ein leichtes Trauma ermittelten die Autoren eine Risiko-Zunahme um 17 Prozent.  Für ein einziges Trauma ergaben die Berechnungen ein um 22 Prozent erhöhtes Demenz-Risiko, für mindestens fünf Traumen einen Risiko-Anstieg um 183 Prozent. 

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt frühere Studien, so etwa eine kürzlich publizierte schwedische Beobachtungsstudie mit Daten von mehr als drei Millionen Menschen. Das Besondere der aktuellen Untersuchung ist außer der großen Population die lange Beobachtungszeit. Zu beachten ist allerdings, dass trotz der relativen Risiko-Zunahme der absolute Anstieg des Demenz-Risikos gering ist. Die Ergebnisse bedeuten also nicht, dass so gut wie jeder, der ein SHT erleidet, damit rechnen muss, deswegen später demenz-krank zu werden.

Die Studie spricht allerdings - ebenso wie mehrere andere Untersuchungen - dafür, Schädel-Hirn-Traumen als Risikofaktoren für eine Demenz-Erkrankungen in Erwägung zu ziehen. Zudem zeigen die Daten aus Dänemark, wie notwendig die Prävention von Schädel-Hirn-Traumen ist, besonders bei Kindern.