Schutz vor Chikungunya-Viren: gängige Desinfektionsmittel töten das Virus ab


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Desinfektionsmittel nach WHO-Vorgaben inaktivieren das Chikungunya-Virus auf Körper- und Krankenhausoberflächen. Behandlungsinstrumente lassen sich außerdem durch Erhitzung auf mindestens 70° Celsius für 5 Minuten desinfizieren.

Hintergrund
Mit zunehmender Erwärmung des Klimas verändern sich die Verbreitungsgebiete von tropischen Infektionskrankheiten. Dazu gehört das Chikungunya-Fieber. Eine Spezies der Überträgermücken dieses Virus, die asiatische Tigermücke (Aedes aegypti), tritt inzwischen in Südeuropa, aber auch in Süddeutschland regelmäßig auf. Im Jahr 2005 ist in Deutschland der erste Patient mit Chikungunya-Fieber gemeldet worden. Ob sich das Virus durch gängige Desinfektionsmittel inaktivieren lässt, war bislang unklar.

Design

  •  Anzüchtung der Chikungunya-Viren
  •  Bestimmung von Virustitern nach Exposition von Virussuspensionen gegenüber verschiedenen Desinfektionsmitteln und -methoden und mikroskopische Untersuchung

Hauptergebnisse

Eine komplette Virusinaktivierung wurde nach Exposition gegenüber 1-Propanol und 2-Propanol (20 und 30 %) für 30 Sekunden erreicht. Äquivalent war 40 % Ethanol.

Sterillium classic pure und Manorapid Synergy, die hohe Konzentrationen Propanol enthalten, waren wirksamer für die Händedesinfektion als ein hauptsächlich Ethanol-basiertes Desinfektionsmittel. Für eine komplette Hitzeinaktivierung des Virus waren mindestens 70° C für 5 Minuten ausreichend. Gegenüber Austrocknen ist das Virus vergleichsweise widerstandsfähig. Nach Eintrocknen ließ es sich mit Wasser reaktivieren. Wenn Körperflüssigkeiten mit hohem Virustiter auf einer Oberfläche eintrocknen, besteht damit ein Ansteckungsrisiko. Das sei im Umgang mit den Proben von Patienten zu beachten, so die Autoren.

Klinische Bedeutung

Hohes Fieber, sehr starke Gelenk- und Muskelschmerzen, Hautausschläge – das sind Manifestationen des Chikungunya-Fieber. Ausgeprägte hämorrhagische Fieber sind selten. Gegen Chikungunya-Viren gibt es weder einen Impfstoff, noch eine spezifische antivirale Therapie. Die einzige Form der Primärprävention ist der Schutz vor den Überträgermücken. Ob das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann – über Blut, Speichel oder andere Körperflüssigkeiten – ist bisher noch unbekannt. Da die Zahl der Infektionen steigt und das Virus auch in deutschen Kliniken ankommt, ist es wichtig zu wissen, dass es sich mit gängigen chemischen Desinfektionsmitteln inaktivieren lässt. Im Jahr 2014 sind in Deutschland 162 Erkrankungen gemeldet worden, 2017 waren es 33 Fälle. Voraussetzung für eine Vermehrung des Virus in den Überträgermücken sind Außentemperaturen von mindestens 18 ° Celsius über längere Zeit.

Finanzierung: keine Angaben