Schutz für Neugeborene: Hohe Antikörpertiter gegen Pertussis bei Impfung Schwangerer


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Impfung schwangerer Frauen mit dem Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Impfstoff TdaP führt zu hohen Antikörpertitern beim Neugeborenen. Am effektivsten ist die Impfung, wenn sie zu Beginn oder Mitte des letzten Trimesters erfolgt, und zwar zwischen der 27. und 30. Schwangerschaftswoche (SW).

Hintergrund

Das Immunsystem entwickelt erst über längere Zeit nach der Geburt die hohe Vielfalt von Antikörpern, die eine gute Immunität ausmachen. Säuglinge haben zwar einen passiven Immunschutz durch placentagängige, maternale Antikörper und die Muttermilch nach der Geburt. Aber der Schutz ist oft nicht lang genug. Deshalb wird international darüber diskutiert, wie sich der Vulnerabilität von Neugeborenen, die zu jung sind für eine Impfung, mit Hilfe einer Vakzinierung der werdenden Mutter entgegenwirken lässt. Da in der Schwangerschaft die immunologische Reaktivität der Mutter aber teilweise vermindert ist, damit sie den Fetus nicht abstößt, wird untersucht, ob es optimale Phasen für eine Immunisierung gibt. Diese Frage ist in einer prospektiven Kohortenstudie mit Neugeborenen in den USA für Keuchhusten untersucht worden, eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung bei Säuglingen (1).

Design

  • Kohorte: 626 Neugeborene (keine Frühgeborenen), von denen Nabelschnurblut auf die Konzentration von Pertussistoxin-Antikörpern untersucht werden konnte
  • 312 Mütter waren während der Schwangerschaft mit dem Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Impfstoff (Pertussis azelluläre Komponente) TdaP geimpft worden (zwischen der 27. und 36. SW) und 314 Mütter hatten keine Impfung erhalten
  • Alter der Mütter: durchschnittlich 29,7 Jahre in der Gesamtkohorte

Hauptergebnisse

Bei Neugeborenen, deren Mütter in der Schwangerschaft eine TdaP-Impfung erhalten hatten, war die Konzentration der Antikörper im Nabelschnurblut mit 47,3 Internationalen Einheiten (IE)/mL deutlich und statistisch signifikant höher als bei Kindern nicht g eimpfter Mütter mit 12,9 IE/mL (Faktor 3,6; p u tter, Gewicht des Kindes und Zeit bis zur Entbindung in d e r Größenordnung von Faktor 3 .

Antikörperkonzentrationen von mehr als 15 IE/m L wurden bei 86 % der Neugeborenen von geimpften Müttern, aber nur bei 37 % der Säuglinge von nicht g eimpften Mütter gefunden. Die Differenz von 49 %- P unkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 42-55 % und einem p B ei Impfungen im späteren Verlauf der Schwangerschaft nahmen die Antikörperkonzentrationen im Nabelschnurblut wieder ab.

Klinische Bedeutung

Eine Impfung mit der Vakzine TdaP ist in Bezug auf die Bildung und den Transfer von maternalen Pertussisantikörpern auf das Kind sicher und effektiv. Die höchsten Konzentrationen lassen sich bei einer Impfung der Schwangeren zwischen der 27. und 30. SW erzielen. Allerdings können hohe Titer präexistierender, mütterlicher Antikörper später, wenn das Kind selbst geimpft wird, mit Impfantigenen interferieren und die Antikörpertiter des Kindes reduzieren (2). Anders als in den USA, wo eine TdaP-Impfung während der Schwangerschaft empfohlen wird, gibt es in Deutschland eine solche Empfehlung durch die Ständige Impfkommission (STIKO) nicht. Die STIKO rät, Kontaktpersonen von Neugeborenen bis spätestens 4 Wochen vor der Geburt zu impfen, sofern die letzte Impfung oder eine Keuchhustenerkrankung länger als 10 Jahre zurückliegen, und für junge Mütter eine Impfung in den ersten Tagen nach Entbindung (3).

Finanzierung: Centers for Disease Control and Prevention, USA