Schon Dinosaurier erkrankten offenbar an Osteosarkomen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Osteosarkome sind im Vergleich zu Mamma- oder Prostata-Karzinomen keine häufigen Malignome, aber sehr alte: Offenbar sind sie schon bei Dinosauriern aufgetreten. Dies lassen die Ergebnisse der Untersuchung einer „seltsam geformten“ Fibula einer „Scharfspitzenechse“ (Centrosaurus apertus) vermuten. Der Pflanzenfresser lebte vor rund 75 Millionen Jahren und wurde in der kanadischen Provinz Alberta gefunden. Über die Untersuchungsbefunde haben Wissenschaftler kürzlich im Fachmagazin „The Lancet Oncology berichtet. 

Schlecht verheilte Fraktur oder Tumor?

Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich bei dem Fibula-Osteosarkom um den ersten bösartigen Tumor, dessen Diagnose bei einem Dinosaurier gesichert wurde. Die Paläontologen dachten zunächst, die seltsame Form der Fibula sei auf eine Fraktur zurückzuführen, die nicht gut verheilt war. CT-Aufnahmen und auch histologische Untersuchungen ergaben jedoch, dass der Dino an einem Osteosarkom litt.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Krebs in fossilen Überresten gefunden wurde. Wissenschaftler haben zum Beispiel gutartige Tumoren in Tyrannosaurus-Rex-Fossilien sowie ein Osteosarkom bei einer 240 Millionen Jahre alten Schildkröte identifiziert. Den Forschern der aktuellen Studie zufolge sei ihre Tumordiagnose jedoch erstmals durch zelluläre Befunde gesichert worden.

Sarkom war schon weit fortgeschritten

Die Wissenschaftler, darunter Paläontologen, Pathologen, ein Chirurg und ein Radiologe, haben das gesamte Fossil mit hochauflösenden Computertomographie-Scans untersucht, und zudem mikroskopische Knochendünnschnitte angefertigt. Zudem haben sie die Befunde mit gesicherten Osteosarkom-Gewebe eines Menschen und einer unauffälligen Centrosaurus-Fibula verglichen. Dabei haben sie unter anderem festgestellt, dass der Tumor ihres Dinosauriers schon weit fortgeschritten war und das Tier wahrscheinlich einige Zeit geplagt hatte. Ein ähnlicher Fall bei einem Menschen wäre ohne Therapie wahrscheinlich tödlich verlaufen, schreiben sie. Da das Fossil jedoch in einem Knochenbett mit vielen anderen Centrosaurus-Exemplaren gefunden wurde, sei der Dinosaurier wahrscheinlich bei einer Flut mit dem Rest seiner Herde gestorben und nicht an Krebs.

Osteosarkome: meist im Knochen, selten juxtakortikal

Osteosarkome sind laut einer Übersichtsarbeit maligne mesenchymale Tumoren, die dadurch definiert sind, dass die Tumorzellen in unterschiedlicher Ausprägung unreife Knochengrundsubstanz, Osteoid, bilden. Die meisten Osteosarkome entstehen den Autoren zufolge zentral im Knochen und sind hoch maligne. Seltener seien die juxtakortikal gelegenen parossalen (in der Regel niedrig malignen) und periostalen (per definitionem intermediär malignen) Osteosarkome sowie hoch maligne Oberflächenosteosarkome. Nur sehr selten finde man bei jungen Menschen extraossäre Osteosarkome der Weichteile oder auch niedrig maligne zentrale Osteosarkome.

Die weltweite Inzidenz liegt bei jährlich 3,4 Fällen pro eine Million Menschen. In der 2. Lebensdekade stehen Knochentumoren an 2. bis 3. Stelle aller bösartigen Tumoren.