„Schlüssel“ zu guter Paarbeziehung ist die Kommunikation über Sex, nicht die Häufigkeit

  • J Sex Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Kommunikation über s ex uelle Wünsche und die Häufigkeit sexueller Aktivitäten bestimmen bei jungen, heterosexuellen Paaren die sexuelle Zufriedenheit. Für die Beziehungszufriedenheit aber ist vor allem eine niedrige Schwelle, über sexuelle Bedürfnisse zu sprechen, und die Freude an diesen Gesprächen ein Prädiktor . Die Häufigkeit von Sex ist für die Bewertung einer Paarbeziehung von untergeordneter Bedeutung.

Bei Beratungen in der ärztlichen Praxis oder bei Paartherapien könnte daher das Ziel, die Kommunikation über Sex zu verbessern, relevanter für einen Erfolg der Beratung sein als Empfehlungen zu praktische n Übungen, die die sexuelle Zufriedenheit e rhöhen sollen .

Hintergrund
Sexuelle Zufriedenheit trägt zur Zufriedenheit in einer Paarbeziehung bei, eine weitere wesentliche Komponente ist die warme Atmosphäre der Partner untereinander. Frühere Studien hatten belegt, dasss für die sexuelle Zufriedenheit sowohl die Kommunikation über das Thema, als auch die Häufigkeit geschlechtlicher Kontakte relevant sind. Ob diese beiden Komponenten auch für die Beziehungszufriedenheit maßgeblich sind, sei dagegen bisher nicht untersucht worden, so Forscher der Universität Leuven in einer Studie zu diesem Thema. Sie haben dabei junge, heterosexuelle Paare befragt, die in Belgien leben und eine bislang vergleichsweise kurze Beziehung hatten.

Design

  • Studienteilnehmer: 126 heterosexuelle Paare mit einem Durchschnittsalter von 23,3 Jahren
  • bisherige Dauer der Beziehung: durchschnittlich 1,9 Jahre
  • Lebensform: 94 % der Paare wohnten zusammen, die übrigen verbrachten im Durchschnitt 4,6 Nächte pro Woche miteinander
  • Fragebögen:
    • Couple Satisfaction Index (CSI)
    • Quality of Sex Inventory (QSI) inklusive Fragen zur Häufigkeit geschlechtlicher Aktivitäten
    • Sexual Communication Scale (DSC)
  • Endpunkte: Analyse der Faktoren für die sexuelle Zufriedenheit und für die Beziehungszufriedenheit

Hauptergebnisse

  • Bei jungen Paaren, die seit ein bis zwei Jahren eine Beziehung hatten, waren sowohl das Gespräch über sexuelle Bedürfnisse, als auch die Häufigkeit geschlechtlicher Aktivitäten maßgeblich für die sexuelle Zufriedenheit.
  • Für die Zufriedenheit mit der Beziehung unter dem Aspekt des Geschlechtslebens aber war nicht die Häufigkeit sexueller Aktivitäten, sondern die Kommunikation über sexuelle Wünsche wesentlich: eine niedrige Schwelle, darüber zu sprechen, und die Freude an gemeinsamen Gesprächen über das Thema.

Klinische Bedeutung
Die Studie ist nach Angaben der beiden Autoren die erste, die in einer qualitativ hochwertigen Analyse bei der Frage nach der Beziehungszufriedenheit die Komponenten „Häufigkeit sexueller Aktivitäten“ und „Kommunikation über Sex“ getrennt voneinander bewertet. Dieses methodische Vorgehen erlaube eine Differenzierung zwischen der Bedeutung von sexueller Aktivität und Kommunikation als „Schlüssel“ für eine gute Beziehung und Türöffner für eine langfristige Bindung. Die Erkenntnisse aus dieser Studie sollten in Beratungen von Patienten in der Praxis einfließen, so die Forscher.

Die Aussagen der Studie beziehen sich auf junge, heterosexuelle Paare mit vergleichsweise kurzen Beziehungen.

Finanzierung: öffentliche Mittel