Schlechte Noten auf Bewertungsportal: Ärzte können sich wehren


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Mainz (pag) – Über schlechte Noten in sogenannten Arztbewertungsportalen ärgern sich viele Mediziner. Ein Urteil des Landgerichts Frankenthal zeigt, dass sich Praxischefs durchaus dagegen wehren können. 

Sitzengeblieben, würde man in der Schule sagen. Die Gesamtnote 5,2 erhielt ein Kieferorthopäde von einem angeblichen Patienten in einem Arztbewertungsportal. Der Mediziner sei ein „extrem schlechter Arzt“ und im Umgang mit Patienten eine „Katastrophe“, schrieb der Nutzer auf der Seite. 

Das wollte sich der Arzt nicht gefallen lassen. Er verlangte von dem Portal die Löschung des Eintrags. In dem Prüfverfahren, das der Hostbetreiber daraufhin einleitete, sollte der Nutzer nachweisen, dass er bei dem Kieferorthopäden tatsächlich in Behandlung war. Mehr als ein Schreiben des Arztes, das größtenteils geschwärzt war, legte dieser aber nicht vor. Der Kieferorthopäde behauptete daraufhin, dass der Portal-Nutzer noch nie von ihm behandelt wurde und die schlechte Bewertung nur darauf abziele, seinem Ruf zu schaden. Das Bewertungsportal löschte ein paar Sätze, ließ die schlechte Note aber stehen.

Das ist zu wenig, urteilt das Landgericht (LG) in Frankenthal und verpflichtet das Portal, die Bewertung ganz zu löschen. Denn indirekt konnte das Portal nicht darlegen, dass die so schlecht bewertete Behandlung tatsächlich stattgefunden hat. Von dem Nutzer hätte es (geschwärzte) Terminzettel, Rechnungen oder Rezepte verlangen müssen, aus denen sich Anknüpfungspunkte für eine Behandlung ergeben (Az. 6 O 39/18).

Ärzte, die in Bewertungsportalen schlechte Noten bekommen haben, können von dem Hostprovider also ein Prüfverfahren verlangen. So lässt sich wenigstens feststellen, ob die behauptete Behandlung wirklich stattgefunden hat und die Bewertung überhaupt auf einem „belastbaren Tatsachenkern“ (so das LG) beruht.