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Schlechte Ernährung ist in Kino-Kassenschlagern die Norm

  • JAMA Internal Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp

Kernbotschaften

Das Essen, welches in Filmen aufgetischt wird, ist alles andere als gesund. Zucker, Fette und Alkohol spielen die Hauptrollen.

Hintergrund

In vielen Ländern gibt es mittlerweile Einschränkungen für Nahrungsmittel, die als „ungesund“ gelten. Unterschätzt wird aber nach Meinung der Autoren der Einfluss auf die Ernährung von Filmen, in denen Essen und Getränke konsumiert werden, deren Qualität unbekannt, nicht reguliert und unterschätzt wird.

Design

Vergleich der Nahrungszusammensetzung in den 250 meistgesehenen US-Filmen der Jahre 1994 bis 2018 mit etablierten Bewertungssystemen, Diät-Empfehlungen, und dem tatsächlichen Konsum der Bevölkerung.

Ergebnisse

  • Unter den 9198 abgebildeten Nahrungsmitteln und 5748 Getränken waren Snacks und Süßigkeiten mit 23,6 % und alkoholische Getränke mit 40,1 % am häufigsten.
  • Der Anteil alkoholischer Getränke nahm entsprechend der Altersfreigabe der Filme zu und betrug beispielsweise bei Filmen ohne Altersbeschränkung 18,1 %, bei Filmen ab 13 Jahren 41,8 % und 49,1 % bei Filmen, die Jugendliche unter 17 Jahren nur in Begleitung Erwachsener sehen sollten („R-rated“).
  • Beim Essen unterschritten 72,7 % der Filme und bei den Getränken 90,2 % die Grenzwerte bei zwei Indizes (Nutrient Profile Index und Healthy Beverage Rating), was in Großbritannien die Konsequenz hätte, dass diese Lebensmittel für Jugendliche nicht beworben werden dürften.
  • In der dreiteiligen Einstufung der Lebensmittelampel hatten mittlere oder hohe Werte bei Zucker 93,5 % der Filme, bei gesättigten Fetten waren es 84,9 %, und bei den Gesamtfetten 93,1 %.
  • Über den Beobachtungszeitraum von 24 Jahren haben sich die Nährwerte der in den Filmen dargestellten Nahrung nicht verbessert.

Klinische Bedeutung

Die Darstellung einer ungesunden Ernährung in den Medien sei ein soziokulturelles Problem, das sich über den Anzeigenbereich und die Platzierung von Produkten hinaus erstrecke, lautet die Bilanz der Autoren. Dass die Zuschauer sich am Ernährungsverhalten von Filmhelden oder Bösewichten orientieren, wird in dieser Studie allerdings nicht belegt. So mag man - wie die Autoren - Filmproduktionen als Chance sehen, eine gesunde Ernährung zu fördern. Oder man vertraut darauf, dass die Zuschauer den Unterschied zwischen Fiktion und Realität begreifen und sich zum Thema Ernährung aus verlässlicheren Quellen informieren.

Finanzierung: Robert Wood Johnson Foundation.