Schlank, wenig Alkohol, aber Fettleber: neue Ursache entdeckt

  • Ann Intern Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Wenn Krebspatienten unter einer Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren eine nichtalkoholische Fettleber (NAFLD) entwickeln, obwohl sie schlank sind, könnte dies eine seltene Nebenwirkung der Immuntherapie sein. Bestimmte Medikamente wie Pioglitazon bewirken eine Normalisierung der Fettverteilung.

Hintergrund
Bei schlanken Menschen ist eine nichtalkoholische Fettleber (NAFLD) als Folge einer Lipodystrophie sehr selten. Die erworbene Lipodystrophie ist vor allem von Patienten bekannt, die wegen einer HIV-Infektion behandelt werden; die Fettleber ist typisch für  übergewichtige und vor allem für adipöse Menschen. Checkpoint-Inihibitoren, die Tumoren sensibilisieren sollen für die Bekämpfung durch das Immunsystem, können offenbar auch im Fettgewebe Entzündungsprozesse fördern, die mit einer pathologischen Umverteilung der Lipide assoziiert sind.

Design
Kasuistik einer 45jährigen Frau mit der primären Diagnose

  • malignes Melanom, welches lokal exzidiert wurde, die Patientin erhielt außerdem Interferon-a.
  • Rezidiv 3 Jahre später, die Patientin erhielt eine systemische Therapie mit einem Checkpoint-Inhibitor, unter der sich das Malignom komplett zurückentwickelte.
  • Gewichtsabnahme im Verlauf der Therapie, der Body-Mass-Index (BMI) sinkt innerhalb von 18 Monaten von 28,4 auf 18,8 m² (Normalgewicht: BMI 18,5-24,9).
  • Mit der Gewichtsabnahme steigen die Leber-Laborparameter (ALT, AST) an, außerdem die Triglyzeride.
  • Die Triglyzeride erreichen Spitzenwerte von 3198 und 3546 mg/dL, bei den Konzentrationen freier Fettsäuren liegen die Spitzenwerte zwischen 920 und 1023 μmol/L.
  • Die Patientin entwickelt eine ausgeprägte NAFLD und einen milden Diabetes. Außerdem wird eine Mastozytose diagnostiziert.

Hauptergebnisse
Die Magnetresonanztomographie ergibt die Diagnose einer erworbenen Lipodystrophie.

  • In den histologischen Präparaten von Biopsien aus dem Fettgewebe sind deutliche Entzündungsprozesse mit Infiltraten von Lymphozyten und Makrophagen erkennbar.
  • Eine Behandlung mit Glukokortikoiden ist nicht wirksam, die Patientin verliert unter dieser Therapie weiter an Körpergewicht.
  • Es folgen Behandlungen mit Insulin plus Empagliflozin und Liraglutid plus Empagliflozin, die nicht effektiv sind.
  • Eine Therapie mit Pioglitazon bewirkt eine Remission der Lipodystrophie, eine Zunahme von Fett in der Unterhaut und einen Rückgang der NAFLD. Leberenzyme und Lipidwerte erreichen nahezu den Normbereich.

Klinische Bedeutung
Bei einer Immun-Checkpoint-Inhibition können inflammatorische Prozesse, wie sie für die Tumorumgebung erwünscht sind, offenbar auch im Fettgewebe entstehen und zu Lipidverteilungsstörungen führen. Die Autoren vom Universitätsklinikum Tübingen sehen darin eine bislang nicht bekannte, unerwünschte immunvermittelte Wirkung der Immuntherapie, die bei entsprechendem Krankheitsbild erwogen werden könne. Eine Pharmakotherapie mit Pioglitazon könnte hilfreich sein.

Finanzierung: öffentliche Mittel