Schlaganfall: Reaktion auf TIA und leichte Insulte nach Aufklärungskampagne nicht verbessert


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die britische Aufklärungskampagne FAST hat dazu beigetragen, dass Patienten die Symptome eines schweren Schlaganfalls besser erkennen und medizinische Hilfe suchen. Die Symptome substanzieller Risikofaktoren wie einer transienten ischämischen Attacke (TIA) oder eines leichten Schlaganfalls, wurden aber nach der Kampagne weniger gut erkannt als vorher.

Hintergrund

Kampagnen zur Aufklärung der Öffentlichkeit bezüglich der Symptome von Schlaganfällen haben in Großbritannien, aber auch in Deutschland, dazu beigetragen, dass viele Patienten schneller in spezialisierten Zentren behandelt werden können. Diese Studie untersuchte, ob auch transiente TIA und kleinere Schlaganfälle nach solch einer Kampagne besser erkannt wurden, da beide Ereignisse wichtige Risikofaktoren für einen schweren Schlaganfall sind.

Design

Prospektive, bevölkerungsbasierte Studie mit allen Patienten aus 9 Arztpraxen im englischen Oxfordshire, die über einen Zeitraum von 12 Jahren (vor und nach der öffentlichen Aufklärungskampagne FAST) eine TIA oder kleineren Schlaganfall erlitten. Gefragt wurde nach der Anzahl erneuter Schlaganfälle bei Patienten mit verzögerter bzw. ohne medizinische Betreuung, sowie der Wahrscheinlichkeit, mit der nach den Ereignissen dringend ärztliche Hilfe gesucht wurde.

Hauptergebnisse

  • 2243 konsekutive Patienten im mittleren Alter von 73,6 Jahren erlitten in der Studie eine erste TIA oder einen Schlaganfall, darunter 1656 mit einem leichten Schlaganfall / TIA.
  • Nach der Aufklärungskampagne ersuchten Patienten mit einem schweren Schlaganfall häufiger innerhalb von 3 Stunden um medizinische Hilfe, als vor der Kampagne (Chancenverhältnis OR 2,56, 95%-Konfidenzintervall 1,11 – 5,90, P=0,03).
  • Bei TIA und leichten Schlaganfällen gab es keine Verbesserung in der Nutzung von Notfalldiensten (OR 0,79, 95%-KI 0,50 -1,23) oder beim Zeitraum, bis erstmals medizinische Hilfe gesucht wurde (OR 0,75, 95%-KI 0,48 – 1,19).
  • Wenn die Patienten Symptome einer TIA oder eines leichten Schlaganfalls bei sich bemerkten, so führte dies zwar zu einem dringlicheren Verhalten, jedoch nahm die korrekte Wahrnehmung der Symptome nach der Aufklärungskampagne von 37,3 % auf 27,6 % ab (OR 0,64, P
  • 188 Patienten erlitten innerhalb von 90 Tagen nach der initialen TIA / Schlaganfall einen Hirninfarkt, darunter waren 93 (49,5 %) Ereignisse, die auf eine nicht beachtete TIA folgten. Der Anteil dieser nicht beachteten TIA war mit 8,0% vor der Aufklärungskampagne praktisch identisch mit dem danach (8,1 %).

Klinische Bedeutung

In der britischen Kampagne FAST (für Face, Arm, Speech, Time) wurden die Kernsymptome eines Schlaganfalls und die Dringlichkeit solcher Ereignisse effektiv vermittelt. Leider wurde damit die Reaktion auf transiente ischämische Attacken und kleine Schlaganfälle nicht verbessert, obwohl diese wichtige Risikofaktoren darstellen. Die Autoren leiten daraus die Notwenigkeit für Kampagnen ab, die besser auf transiente und weniger schwere Symptome zugeschnitten sind. Auch solch eine Kampagne ist jedoch kein Selbstläufer und sollte dann zeitnah auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Finanzierung: National Institute of Health Research, Oxford Biomedical Research Centre, Wellcome Trust, Wolfson Foundation, und British Heart Foundation.