Schlaganfall-Prävention bei Diabetes-Patienten auch mit GLP-1-Agonisten?

  • The Lancet Diabetes&Endocrinology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft 

Das Antidiabetikum Dulaglutid kann bei Typ-2-Diabetes-Patienten – zusätzlich zur leitliniengemäßen medikamentösen Schlaganfall-Prävention – möglicherweise das Risiko für ischämische Schlaganfälle (weiter) senken. Auf die Schwere des Schlaganfalls hat der GLP-1-Agonist den vorliegenden Daten nach hingegen keinen Einfluss. 

Hintergrund

Studien mit kardiovaskulären Endpunkten haben Hinweise darauf geliefert, dass GLP-1-Agonisten bei Diabetes-Patienten das Schlaganfall-Risiko senken können. Zu diesen Antidiabetika zählt Dulaglutid; die kardiovaskuläre Wirksamkeit dieses GLP-1-Agonisten wurde in der REWIND-Studie gezeigt, die im Sommer 2019 publiziert wurde. Schlaganfall war einer der Endpunkte des primären kombinierten Endpunktes. Die jetzt publizierten Daten zum Schlaganfall sind die Ergebnisse einer Subanalyse der REWIND-Studie.

Design

An der randomisierten, kontrollierten und internationalen Multizenterstudie REWIND nahmen fast 10.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes teil; sie waren im Mittel 66 Jahre alt. Rund 46 Prozent waren Frauen. Ihr HbA1c-Wert lag zu Beginn der Studie bei 7,2 Prozent. Nur rund ein Drittel der Teilnehmer hatte eine positive Anamnese für eine kardiovaskuläre Erkrankung . 81 Prozent wurden mit Metformin behandelt, 46 Prozent bekamen Sulfonylharnstoff-Präparate und fast ein Viertel Insulin. Über 80 Prozent wurden mit ACE-Hemmern oder Sartanen behandelt, zwei Drittel mit Statinen. 

4949 Patienten erhielten nach der Randomisierung Dulaglutid (einmal wöchentlich 1,5 mg subkutan), 4952 bekamen Placebo. Die Beobachtungsdauer betrug mediane 5,4 Jahre.

Schlaganfälle wurden unterteilt in tödliche und nicht-tödliche Schlaganfälle sowie in ischämische, hämorrhagische und nicht-klassifizierte Schlaganfälle. Die Schlaganfall-Schwere wurde anhand der modifizierten Rankin-Skala beurteilt.

Hauptergebnisse 

  • Während einer Beobachtungszeit von medianen 5,4 Jahren erlitten 3,2% (158/4949) der Patienten mit Dulaglutid einen Schlaganfall. In der Placebo-Gruppe waren es 4,1% (205/4952).
  • Die Berechnungen ergaben eine Hazard Ratio (HR) von 0,76 (95% CI 0,62–0,94; p=0,010). Diese Risikoreduktion von 24 Prozent kam durch den Unterschied bei den ischämischen Schlaganfällen (2,6% versus 3,4%) zustande. Hier ergaben die Berechnungen eine HR von 0,75 (0·59–0,94, p=0,012) zu Gunsten des GLP-1-Agonisten.
  • Bei den hämorrhagischen Schlaganfällen gab es keinen signifikanten Unterschied (je 0,4 Prozent; HR: 1,05, CI 0,55-1,99, p=0,89).
  • Dulaglutid schnitt auch beim kombinierten Endpunkt aus nicht-tödlichen Schlaganfällen oder Gesamt-Mortalität besser ab (13,0% versus 14,6%; HR: 0,88, CI 0,79-0,98, p=0, 017).
  • Dies galt auch für Schlaganfälle, die zu einer Behinderung geführt hatten (1,7% versus 2,2%; HR: 0,74, CI 0,56–0,99; p=0,042). 
  • Beim Ausmaß der schlaganfall-bedingten Behinderung gab es zwischen der Dulaglutid- und der Placebo-Gruppe keinen Unterschied.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse zur Schlaganfall-Reduktion mit Dulaglutid stimmen im Wesentlichen mit denen überein, die mit anderen GLP-1-Agonisten erzielt wurden. Die Autoren schlussfolgern daher, dass GLP-1Agonisten in Zukunft in Leitlinien zur Schlaganfall-Prävention bei Diabetes-Patienten berücksichtigt werden sollten. Ähnlich sieht dies auch die US-Diabetologin Dr. Vanita Aroda (Harvard Medical School) in ihrem begleitenden Kommentar .

Finanzierung: Eli Lilly