Schlaganfall-Prävention: Askese bei Eiern und rotem Fleisch


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Wer gesund bleiben oder auch werden will, kann dafür bekanntlich selbst einiges tun. So schützen einer europäischen Kohorten-Studie zufolge Vollkornprodukte, Obst und Gemüse, Nüsse und Samen, Käse und Molkereiprodukte vor Hirninfarkten, der Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch hingegen erhöht (möglicherweise) das Risiko. Und: Ein hoher Ei-Konsum kann angeblich Hirnblutungen begünstigen, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in einer Mitteilung zu der Kohortenstudie betont. Unklar ist allerdings der Effekt der Ernährung bei medikamentös kontrollierten Blutdruck- und Fettwerten.

Ischämische und hämorrhagische Infarkte getrennt analysiert

Die Autoren der Studie haben untersucht, inwieweit Ernährungsgewohnheiten das Schlaganfall-Risiko beeinflussen. Das Neue dabei: Ausgewertet haben die Wissenschaftler die diätetischen Risikofaktoren nicht nur für das Schlaganfall-Risiko insgesamt, sondern für zum einen ischämische und für zum anderen hämorrhagische Schlaganfälle. Das Ergebnis in Kürze: Die ernährungsbedingten Risikofaktoren zwischen den beiden Schlaganfall-Arten unterscheiden sich vermutlich.

„Im Prinzip ist das nicht verwunderlich, denn beide Schlaganfall-Arten haben einen unterschiedlichen Pathomechanismus, also unterschiedliche Entstehungsursachen, auch wenn am Ende das klinische Bild sehr ähnlich ist“, erklärt Professor Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

Studie mit über 400.000 Menschen

Die Studie, die im „European Heart Journal“ publiziert wurde, analysierte u.a. soziodemographische Faktoren, Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil einer Kohorte von fast 420.000 Menschen in neun europäischen Ländern (Dänemark, Deutschland, Griechenland, Italien, Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und Vereinigtes Königreich). Diese Kohorte wurde in den Jahren 1992 und 2000 im Rahmen der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“ (EPIC)-Studie rekrutiert. Nach einem mittleren Follow-up von 12,7 Jahren waren insgesamt 4281 ischämische und 1430 hämorrhagische Schlaganfälle aufgetreten. Die demographische Analyse zeigte, dass die Betroffenen insgesamt älter waren als die übrigen Studienteilnehmer, ein etwas höheres Körpergewicht hatten, häufiger starke Raucher gewesen waren und im Durchschnitt auch etwas mehr Alkohol tranken. 

Besonders aufschlussreich war nach Angaben der Fachgesellschaft die Analyse der Ernährungsgewohnheiten. Teilnehmer, die einen ischämischen Schlaganfall erlitten, hatten mehr rotes und verarbeitetes Fleisch konsumiert, aber weniger Vollkornprodukte, Obst und Gemüse, Nüsse und Samen sowie Käse und Molkereiprodukte. 

Das höhere Risiko, das durch einen erhöhten Verzehr an rotem und verarbeiteten Fleisch (definiert als über 50 g/Tag) in der multivariaten Analyse beobachtet wurde, verringerte sich, wenn gegen andere Lebensmittel adjustiert wurde. 

Der negative Effekt des Fleisches konnte also beispielsweise durch eine vollkornreiche Kost ausgeglichen werden. Die positiven Effekte von Vollkornprodukten, Obst und Gemüse, Nüssen und Samen, Käse und Molkereiprodukten blieben in allen Analysen stabil.

Gesund: natürlich Obst, Gemüse und vollkornreiche Kost

„Fazit der Studie in Bezug auf den ischämischen Schlaganfall ist also, dass man sein persönliches Erkrankungsrisiko durch Obst, Gemüse und eine vollkornreiche Kost senken kann“, erklärt der Essener Neurologe Prof. Hans-Christoph Diener in der Mitteilung der Fachgesellschaft. „Auf das Risiko für Hirnblutungen scheinen diese Ernährungsfaktoren hingegen keinen schützenden Einfluss zu haben.“ Denn die vorliegende Auswertung zeigte, dass lediglich der Konsum von Eiern das Risiko für hämorrhagische Schlaganfälle nennenswert erhöhte – das Risiko stieg pro 20 g/Tag um den Faktor 1,25 an –, ansonsten hatte aber kein Ernährungsfaktor einen signifikant schädigenden oder schützenden Effekt.

Keine direkten Effekte

Wie die Studienautoren ausführen, waren die positiven und negativen Effekte, die durch die Ernährung erzielt wurden, wahrscheinlich keine direkten Effekte, sondern blutdruck- und/oder blutfettvermittelt. Es ist bekannt, dass die Nahrungsmittel, die vor einem ischämischen Schlaganfall schützten, den Blutdruck senken. Rotes und verarbeitetes Fleisch und Eier hingegen erhöhen den Blutdruck sowie das Gesamtcholesterin. „Wir wissen, dass eine gesunde Ernährung den beiden Hauptrisikofaktoren des Schlaganfalls, Hypertonie und Hyperlipidämie, vorbeugt und somit in jedem Fall sinnvoll ist – allerdings bleibt die Frage unbeantwortet, ob z.B. der Konsum von Eiern auch zu mehr Hirnblutungen führt, wenn der Blutdruck und die Fettwerte medikamentös kontrolliert werden, d.h. ob Ernährungsfaktoren zusätzliche, direkte Effekte auf das Schlaganfallrisiko haben“, so das Fazit von Diener.