Schlaganfall-Prävention: gesunder Lebensstil auch bei „schlechten“ Genen ratsam


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Schlaganfall-Risiko hängt von genetischen Faktoren und der Lebensweise ab, wobei der Einfluss unabhängig voneinander ist. Zu Reduktion des Schlaganfall-Risikos ist - unabhängig vom genetisch bedingten Risiko - auf jeden Fall eine gesunde Lebensweise zu empfehlen. Besonders Männer sollten dieser Empfehlung folgen.

Hintergrund

Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, wird sowohl durch genetische als auch durch Umweltfaktoren wie Ernährung und Lebensstil beeinflusst. Eine von mehreren Fragen, die sich daraus ergeben, lautet: Könnte ein gesunder Lebensstil den Einfluss der Gene auf das Schlaganfall-Risiko ausgleichen? Ein internationales Wissenschaftsteam hat dies nun untersucht.

Design

Die Forscher haben ihre Untersuchungen auf die MEGASTROKE-Analyse gestützt, die anhand von genomweiten Assoziationsstudien genetische Schlaganfall-Risikofaktoren bei 520.000 weißen Europäern aufgespürt hat. Darin wurden 90 mit Schlaganfall assoziierte Genvarianten entdeckt. Auf dieser Basis entwickelten die Forscher einen Risiko-Score und wendeten ihn auf die britische prospektive Biobank-Kohortenstudie an. Die UK Biobank enthält die biologischen Informationen von 500.000 Briten im Alter zwischen 40 und 69 Jahren.  Anhand ihres genetischen Risiko-Scores wurden diejenigen Biobank-Teilnehmer, die bislang weder einen Schlaganfall noch einen Herzinfarkt erlitten hatten, in drei Gruppen eingeteilt: Solche mit hohem, mittleren und niedrigem genetischen Schlaganfall-Risiko. Außerdem gruppierten die Forscher die Personen gemäß den Richtlinien der American Heart Association (AHA) in Kategorien mit gesundem, mäßig gesundem und ungesundem Lebensstil. Gesund lebt laut AHA, wer nicht raucht, nicht allzu dick ist (BMI unter 30), sich mit viel Obst, Gemüse und Fisch gesund ernährt und pro Woche mindestens drei Stunden moderat bzw. eineinhalb Stunden intensiv Sport treibt. 

Hauptergebnisse

  • Während einer medianen Beobachtungszeit von 7,1 Jahren traten 2077 Schlaganfälle  auf (1541 ischämische, 287 intrazerebrale und 249 Subarachnoidalblutungen).
  • Das Schlaganfallrisiko war bei den Menschen mit hohem genetischem Risiko um 35 Prozent höher als bei denjenigen mit geringem genetischem Risiko, und zwar unabhängig vom Lebensstil (Hazard Ratio 1,35; 95% CI 1,21 - 1,50).
  • Für Teilnehmer mit ungesunder Lebensweise ergaben die Berechnungen ein - unabhängig vom genetischen Risiko - um 66 Prozent höheres Schlaganfall-Risiko als für Menschen, die gesund leben (Hazard Ratio 1,66; CI 1,45 -1,89).
  • Das genetisch bedingte Risiko und das Risiko durch ungesunden Lebensstil addieren sich: Bei Personen mit ungünstigen Genen und zugleich ungesundem Lebensstil fanden die Forscher eine um rund 130 Prozent erhöhte Schlaganfallrate gegenüber Personen mit geringem genetischen Risiko und gesundem Lebensstil (HR 2,30; CI 1,84 - 2,87).
  • Am stärksten trugen Rauchen und ein erhöhter BMI zum lebensstilbedingten Schlaganfall-Risiko bei. Bei Männern wirkten sich sowohl Gene als auch Lebensstilfaktoren stärker aus als bei Frauen. 

Klinische Bedeutung

„Die Ergebnisse belegen, dass sich ein gesunder Lebensstil zur Schlaganfallprävention lohnt – unabhängig vom genetischen Risikoprofil. Männer sollten besonders auf eine gesunde Lebensweise achten", sagt Prof. Dr. med. Martin Dichgans, dessen Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am Klinikum der Universität München an der Studie beteiligt war.

Finanzierung: British Heart Foundation