Schlaganfall-Nachsorge: Bei der interdisziplinären Zusammenarbeit hapert es noch


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Um bei Schlaganfall-Patienten optimale Rehabilitationserfolge zu erzielen und eine gute Nachsorge zu gewährleisten, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der stationär und ambulant tätigen Therapeuten notwendig. Hier könnte noch einiges verbessert werden. 

Hintergrund

Die Akut-Versorgung von Schlaganfall-Patienten ist in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert worden und befindet sich in Deutschland auf hohem Niveau. Der Versorgungsbedarf endet allerdings nicht mit der Entlassung aus dem Akut-Krankenhaus. Schlaganfall-bedingte neurologische Symptome wie Paresen oder Sprachstörungen zum Beispiel erfordern Rehabilitations-Maßnahmen. Um Rehabilitationserfolge mindestens zu stabilisieren und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, ist ein lückenloser Übergang in die Nachsorge notwendig. In der vorliegenden Studie wurden Ärzte und Physiotherapeuten zum aktuellen Versorgungsablauf befragt, um so Barrieren zu identifizieren und Lösungen entwickeln zu können.

Design

Onlinebefragung bei Klinikärzten aus der stationären neurologischen Rehabilitation, Hausärzten und ambulant tätigen Physiotherapeuten aus Baden-Württemberg und Bayern (n = 77). Themen waren der Rehaentlassungsprozess, die Nachsorge im Anschluss an den Rehaaufenthalt sowie die interdisziplinäre Kooperation und Kommunikation.

Hauptergebnisse

  • Bemängelt werden insbesondere die interdisziplinäre Kooperation und Kommunikation. 
  • So zeigten sich bei der Qualitätsbewertung der Entlassungsvorbereitung aus der stationären Rehabilitationseinrichtung unter den Berufsgruppen deutliche Unterschiede. Physiotherapeuten bewerteten die Entlassungsvorbereitung im Durchschnitt mit ausreichend, Klinikärzte mit gut und Hausärzte mit befriedigend. Ähnliche Ergebnisse gab es bei der Beurteilung der Qualität des Versorgungssystems in der Nachsorge.
  • Knapp zwei Drittel der Physiotherapeuten sind mit der Zusammenarbeit mit Klinikärzten „eher bis sehr unzufrieden“. Hausärzte zeigen sich mit fast 50 Prozent (48,1%) ebenso „eher bis sehr unzufrieden“ mit der Zusammenarbeit mit Klinikärzten. Im Unterschied zu den ambulant tätigen Therapeuten sind die Klinikärzte zufriedener. Klinikärzte sind den Autoren zufolge mit 90,4 % zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Hausärzten. ​​​​​​​

Klinische Bedeutung

Die Umfrage-Ergebnisse sprechen dafür, dass es bei der interdisziplinären Kooperationen zwischen stationär und ambulant tätigen Experten im Entlassungsprozess sowie in der Nachsorge Verbesserungsbedarf gibt. Dazu beitragen könnten nach Angaben der Autoren Therapeuten-Netzwerke und standardisierte Kommunikationspfade.

Die Studie ist Teil eines Promotionsvorhabens, welches durch das in Freiburg angesiedelte Kooperative Promotionskolleg „Versorgungsforschung: Collaborative Care“ gefördert wird. Das Promotionskolleg wiederum wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.