Schlaganfall: Manche Patienten profitieren auch von einer sehr späten endovaskulären Therapie

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In einer unizentrischen Studie erhielten 24 Schlaganfall-Patienten eine endovaskuläre Therapie (EVT), obwohl seit dem Insult mindestens 16 bis 24 Stunden vergangen waren. Sie profitierten im Vergleich zu lediglich konservativ versorgten Patienten mit ähnlichen Merkmalen in Form von weniger Behinderungen und einer höheren Wahrscheinlichkeit für Verbesserungen nach 90 Tagen.

Hintergrund

Das Zeitfenster für eine EVT nach einem ischämischen Schlaganfall durch einen größeren Gefäßverschluss wird im Allgemeinen auf weniger als 16 – 24 Stunden veranschlagt, gemessen ab dem Zeitpunkt, wo es dem Patienten nachweislich zuletzt gut ging („last know well“, LKW). In der aktuellen Studie wurde danach gefragt, welcher Anteil des betroffenen Gewebes möglicherweise auch nach mehr als 16 noch gerettet werden kann und wie effektiv solch eine Behandlung ist.

Design

Fall-Kontroll-Studie an einer einzigen Klinik in Südkorea, wo zunächst über einen Zeitraum von 6 Jahren 8032 Patienten mit einem Schlaganfall oder einer transienten ischämischen Attacke erfasst wurden. Unter ihnen wurden retrospektiv 150 identifiziert (54 % Männer, Durchschnittsalter 70,1), bei denen zwischen LKW und dem Eintreffen in der Klinik mindestens 16 Stunden vergangen waren. Sie hatten einen Verschluss der inneren oder mittleren Schlagader und waren auf der Schlaganfall-Skala der National Institutes of Health mit mindestens 6 bewertet worden (median 12), bevor sie nach Maßgabe des behandelnden Arzte aufgrund des Klinikprotokolls einer EVT zugeführt wurden.

Ergebnisse

  • Das in der Bildgebung nach median 93 Stunden bestimmte Infarktvolumen betrug 11,5 mL, für die Penumbra (> 6 Sekunden) 55,0 mL, und das mediane Mismatch-Verhältnis (kleiner Infarkt, große Penumbra) 4,0.
  • Gemäß der Einschlusskritierien für Studien zur EVT hätten 50 Patienten bei DAWN teilnehmen können, 58 bei DEFUSE 3 und 57 bei ESCAPE.
  • Tatsächlich erhielten aber nur 24 Patienten (16 %) eine EVT.
  • Beim Vergleich mit unbehandelten Patienten, die eine ähnliche Charakteristik hatten (Propensity score-matching), hatten die Patienten mit EVT nach 90 Tagen wesentlich weniger Behinderungen: Das adjustierte Chancenverhältnis aOR für einen modifizierten Rankin-Wert von 0 – 2 betrug 11,08 (95%-Konfidenzintervall 1,88 – 108,60), die aOR für eine positive Veränderung (Rankin Scale score shift) war 5,17 (95%-KI 1,80 – 15,62), und für Patienten 24 nach LKW 10,54 (95%-KI 2,18 – 59,34).
  • Parenchymale Blutungen erlitten 3 von 24 Patienten nach EVT (13 %) versus 4 von 126 Patienten (3 %) unter medizinischem Management (aOR 4,06).

Klinische Bedeutung

In der Bundang-Klinik in Seoul profitierten Patienten, die 16 oder 24 Stunden nach einem Schlaganfall eine endovaskuläre Therapie erhielten, von dieser Intervention. Allerdings kann die Größe des Effekts wegen der geringen Fallzahlen nur ungenau geschätzt werden kann. Größere, multizentrische und internationale Studien sind erforderlich, um die Vorteile einer sehr späten Behandlung zu belegen und die Auswahlkriterien dafür zu etablieren.

Finanzierung: Keine Angabe.