Schlafdauer kann sich auf das Lungenkrebsrisiko von Frauen auswirken

  • Helga Gutz
  • Clinical Summary
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Erkenntnis

  • Laut der französischen Studie Women Epidemiology Lung Cancer (WELCA) haben Frauen, die Kurz- oder Langschläferinnen sind, möglicherweise ein höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, als Frauen mit normalem Schlafverhalten.
  • Die nachteiligen Zusammenhänge sind bei Langzeit-Nachtarbeiterinnen und aktuellen Raucherinnen stärker ausgeprägt.

Warum das wichtig ist

  • Hausärzte sind in einer idealen Position, um Lungenkrebs bei gefährdeten Frauen zu diagnostizieren, zu überwachen und zu untersuchen, insbesondere bei aktuellen Raucherinnen und Langzeit-Nachtarbeiterinnen.
  • Die Ergebnisse stimmen mit der bekannten U-förmigen Kurve überein, die sich aus einer grafischen Darstellung des Lungenkrebsrisikos auf der Y-Achse und der Schlafdauer auf der X-Achse ergibt: Normalschläfer befinden sich am unteren Ende des U, was auf ein geringes Risiko hindeutet, während Kurz- und Langschläfer sich am linken bzw. rechten Rand des U befinden, was jeweils auf ein höheres Lungenkrebsrisiko als bei Normalschläfern hinweist.
  • Die Ergebnisse sind biologisch plausibel: Schlafentzug, insbesondere durch Nachtschichtarbeit, kann den zirkadianen Rhythmus stören und zu einer Unterdrückung des Immunsystems führen, was beides Krebs begünstigt; auch eine lange Schlafdauer kann den zirkadianen Rhythmus stören.

Studiendesign

  • WELCA ist eine retrospektive, bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie, die bei Frauen in der französischen Region Île-de-France durchgeführt wurde (2014-2017).
  • Geschulte Krankenschwestern führten persönliche Interviews durch, um Patientinnen mit Lungenkrebs (n=716) und Kontrollteilnehmerinnen ohne Lungenkrebs (n=758) zu identifizieren und nach Zusammenhängen mit Schlafmerkmalen, Nachtschichtarbeit, Raucherstatus und dem Schlafstörungsindex (SDI) zu suchen.
  • Zu den Schlafmerkmalen gehörten die Schlafdauer (<7 Stunden/Tag [kurze Schlafdauer], 7-7,9 Stunden/Tag [normale Schlafdauer], ≥8 Stunden/Tag [lange Schlafdauer]), der Schlaf-Chronotyp (die natürliche Neigung, morgens oder abends länger zu schlafen als der neutrale Typ, der der normale Bezugspunkt ist), die Dauer der Nachtschichtarbeit und die maximale Häufigkeit der Nachtschichtarbeit.
  • Der SDI war eine neues Maß zur Addierung der von den Teilnehmern angegebenen schlafbezogenen Störungen. Bei den Störungen handelte es sich um Schwierigkeiten beim Einschlafen, zu frühes Aufwachen, zu müdes Aufwachen, nächtliches Aufwachen und die mindestens einmal angegebene Einnahme von Schlafmitteln. Die Scores wurden in drei Kategorien eingeteilt: niedrig (0 oder 1 Störung), mittel (2 oder 3 Störungen) oder hoch (4 oder 5 Störungen).
  • Primärer Endpunkt: Neuerkrankungen an Lungenkrebs.
  • Finanzierung: Institut National du Cancer; Fondation de France; Ligue Nationale Contre le Cancer.

Wesentliche Ergebnisse

  • Eine kurze Schlafdauer (<7 Stunden/Tag) war im Vergleich zu einer normalen Schlafdauer (7-7,9 Stunden/Tag) mit einem nicht-signifikanten Anstieg des Lungenkrebsrisikos um 16% verbunden (OR 1,16; 95% KI 0,86-1,56).
  • Umgekehrt war eine lange Schlafdauer (≥8 Stunden/Tag) gegenüber einer normalen Schlafdauer mit einem signifikanten Anstieg des Lungenkrebsrisikos um 39% verbunden (OR 1,39; 95% KI 1,04-1,86).
  • Insgesamt stand das Lungenkrebsrisiko in keinem Zusammenhang mit der SDI-Gruppe, früherer Nachtarbeit oder der Dauer oder Häufigkeit von Nachtarbeit.
  • Eine Subgruppenanalyse ergab, dass sich ≥5 Jahre Nachtarbeit und ein aktueller Raucherstatus negativ auf das Lungenkrebsrisiko von Kurz- und Langschläferinnen auswirkten:
    • ≥5 Jahre Nachtarbeit waren mit einem signifikanten >3-fach höheren Lungenkrebsrisiko bei Kurzschläferinnen (OR 3,23; 95% KI 1,05-9,90) und einem nicht-signifikanten 78% höheren Risiko bei Langschläferinnen (OR 1,78; 95% KI 0,53-5,99) verbunden, jeweils im Vergleich zu Normalschläfern.
    • Aktuelle Raucherinnen hatten ungewöhnlich hohe SDI-Scores, wobei Frauen mit mittleren Werten ein nicht-signifikant erhöhtes Lungenkrebsrisiko von 25% (OR 1,25; 95% KI 0,78-2,01) und jene mit hohen Werten einen signifikanten Anstieg von 88% (OR 1,88; 95% KI 1,09-3,26) aufwiesen, jeweils im Vergleich zu Frauen mit niedrigen Werten. Ex- und Niemals-Raucherinnen hatten ein geringeres Lungenkrebsrisiko. Zwischen Raucherstatus (aktuell, früher oder nie) und Lungenkrebs gab es eine signifikante Interaktion (P=0,031).

Einschränkungen

  • Fall-Kontroll-Studien gelten als methodisch schwächer als Kohortenstudien.
  • Beobachtungsdesign.
  • Alle Daten stammten aus den Angaben der Frauen, was die Ergebnisse anfällig für Erinnerungsverzerrungen macht.
  • Der subjektiv eingeschätzte Chronotyp wurde nicht durch validierte Testinstrumente erfasst.