Schlafdauer beeinflusst psychische Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern

  • Molecular Psychiatry

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Depressionen, Angstzustände, impulsives Verhalten und verminderte kognitive Leistungsfähigkeit: zu wenig Schlaf soll einen negativen Einfluss auf die langfristige psychische Gesundheit von Kindern haben. Zu diesem Schluss kamen Forscher der Universität Warwick, UK, die ihre Ergebnisse jüngst in Molecular Psychiatry publiziert haben.

Hinreichend belegt ist, dass eine geringe Schlafdauer bei Erwachsenen mit psychiatrischen und kognitiven Problemen verbunden ist. Erstmals untersuchten nun britische Wissenschaftler die Beziehung zwischen Schlafdauer und Gehirnstruktur an 11.000 Kindern im Alter von 9-11 Jahren. Die Daten stammten aus der ABCD-Studie (Adolescent Brain Cognitive Development).

Vermindertes Hirnvolumen bei kürzerer Schlafdauer

Die Forscher stellten fest, dass Kinder, die eine kürzere Schlafdauer hatten, in Bereichen wie dem orbitofrontalen Kortex, dem präfrontalen und temporalen Kortex, dem Precuneus und dem Gyrus supramarginales ein vermindertes Hirnvolumen aufwiesen. Ein geringeres Hirnvolumen in diesen Bereichen wurde wiederum mit psychischen Problemen wie Depression, Angst, impulsivem Verhalten und schlechter kognitiver Leistung in Verbindung gebracht.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Gesamtscore der Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern mit weniger als 7 Stunden Schlaf im Durchschnitt 53 Prozent höher und die Gesamtpunktzahl für die kognitive Leistungsfähigkeit im Durchschnitt 7,8 Prozent niedriger war als bei Kindern mit 9-11 Stunden Schlaf. Dies unterstreicht die Bedeutung von ausreichend Schlaf sowohl für die Kognition als auch für die psychische Gesundheit der Kinder“, berichtete Professor Jianfeng Feng, Autor der Studie.

Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen sind weit verbreitet

„Schlafzustände sind aktive Prozesse, die die Reorganisation der Hirnschaltkreise unterstützen. Deshalb ist Schlaf besonders wichtig für Kinder, deren Gehirn sich schnell entwickelt und umorganisiert. Die empfohlene Schlafdauer für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren beträgt 9-12 Stunden“, wird Feng weiter in der Mitteilung der Universität Warwick zitiert. Schlafstörungen seien jedoch bei Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt weit verbreitet, was auf die zunehmende Beanspruchung ihrer Zeit durch die Schule, die vermehrte Nutzung von Handy, Tablet und PC sowie auf sportliche und soziale Aktivitäten zurückzuführen ist. So habe etwa eine frühere Studie hat gezeigt, dass etwa 60 Prozent der Jugendlichen in den Vereinigten Staaten in den Schulnächten weniger als acht Stunden Schlaf erhalten.

Professor Edmund Rolls von der Fakultät für Informatik der Universität Warwick: „Die Studie zeigt wichtige Zusammenhänge zwischen der Schlafdauer bei Kindern und der Hirnstruktur sowie der kognitiven und psychischen Gesundheit.“ Allerdings seien weitere Forschungen erforderlich, um die genauen Gründe für diese Zusammenhänge aufzudecken.