Schlafapnoe: Pneumologen warnen vor den Folgen von Versorgungsmängeln


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Fast 1900 Verkehrsunfälle mit Personenschaden wurden im Jahr 2016 durch Übermüdung verursacht. Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf sind häufig die Folgen einer obstruktiven Schlafapnoe. Betroffene haben im Straßenverkehr ein zwei- bis siebenmal so hohes Risiko, Unfälle zu verursachen. Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie an einer Schlafapnoe leiden. Im Vorfeld ihres 59. Kongresses  warnt nun die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin ( DGP ) in einer Mitteilung vor den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen einer mangelnden oder unzureichenden Therapie von Menschen mit Schlafstörungen. 

Wie gefährlich Sekundenschlaf sein kann, verdeutlichen zwei Zugunglücke, die sich in New York und New Jersey ereigneten, weil die jeweiligen Lokführer am Steuerpult eingenickt waren. Nach Angaben der „New York Times“  litten beide an einer obstruktiven Schlafapnoe. 

In Deutschland und der EU dürfen Menschen mit Schlafapnoe und Tagesschläfrigkeit Kraftfahrtzeuge nur dann steuern, wenn sie kontinuierlich erfolgreich behandelt werden. Ähnliches gilt auch für Menschen, die gefährliche Arbeitsgeräte bedienen. 

„Aber die obstruktive Schlafapnoe ist bei Weitem nicht der einzige Grund für Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf. Ein- und Durchschlafstörungen sowie Atmungsschwächen bei Herz- oder Lungenerkrankungen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Und nicht jeder Patient mit Schlafapnoe zeigt die typischen Symptome“, betont Professor Winfried Randerath, Kongresspräsident der DGP 2018, in der Mitteilung der Fachgesellschaft . „Die Anzahl der Menschen die an einer nicht diagnostizierten Schlafapnoe leiden ist immer noch hoch.“ Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 13 Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen betroffen sind. Die Prävalenz schlafbezogener Atemstörungen sei hoch, betont auch Professor Richard Schulz (Medizinische Klinik V, Klinikum Fulda) in einem Fachzeitschriften-BeitragVor allem die Prävalenz der obstruktiven Schlafapnoe nehme sogar noch weiter zu. Zudem könne von einer Dunkelziffer ausgegangen werden, denn „wahrscheinlich sind nur wenige SBAS-Patienten im Sinne von Tagesmüdigkeit bzw. -schläfrigkeit klinisch symptomatisch“.

Bei der häufigsten Form der Schlafapnoe kollabieren im Schlaf die Atemwege des Patienten immer wieder. Dies kann von zehn Sekunden bis zu zwei Minuten dauern sowie die Atmung und die Sauerstoffversorgung unterbrechen. Der Körper steigert seine Atmungsanstrengung, erlebt permanente Stressreaktionen. Der Schlaf bringt unter diesen Umständen keine Erholung mehr. „Wer sich tagsüber häufig – und scheinbar grundlos – müde oder schläfrig fühlt, sich schlecht konzentrieren kann oder gar ungewollt einschläft, sollte seinen Schlaf untersuchen lassen“, rät Randerath, Chefarzt am Krankenhaus Bethanien in Solingen. Denn bei unbehandelter Schlafapnoe drohen auch Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall. 

Durch die große Zahl der Betroffenen, Arbeitsausfallzeiten, Unfälle und Folgeerkrankungen werde die Schlafapnoe zu einem gesundheitlichen wie auch gesellschaftlichen Problem, heißt es in der Mitteilung weiter. Die ambulante Versorgung decke nur einen Teil der Diagnostik und Therapie beim nicht erholsamen Schlaf ab. Das Versorgungsangebot für Patienten werde immer knapper, so Randerath. „Weil die Krankenkassen immer weniger stationäre Behandlungen bezahlen und ambulante Möglichkeiten unterfinanziert werden, stehen schlafmedizinische Angebote nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Die Wartezeiten für einen Termin im Schlaflabor liegen in der Regel bei mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr.“ Die Schulung und Begleitung der Patienten in der Therapie leidet darunter, auch würden Kosten für alternative Verfahren oft nicht übernommen – selbst wenn sie sich schon wissenschaftlich bewährt hätten