Schizophrenie: Studie unter Praxisbedingungen zeigt unterschiedliche Wirksamkeit von Antipsychotika

  • Lancet Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In einer unverblindeten Studie an 4 Kliniken mit 144 Patienten, die unter Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen mit aktiver Psychose litten, erfolgte die Behandlung nach der Randomisierung gemäß Maßgabe der Ärzte. Unter diesen realistischen Bedingungen erwies sich Amisulprid bei der Reduktion Positiver und Negativer Syndrome laut PANSS-Skala wirksamer als Aripiprazol und Olanzapin.

Hintergrund

Die atypischen Antipsychotika Amisulprid, Aripiprazol und Olanzapin werden in der Erstlinienbehandlung eingesetzt, sind aber bislang noch nicht unter Praxisbedingungen direkt miteinander verglichen worden. Dies wurde nun unter Mitfinanzierung der beteiligten Kliniken nachgeholt.

Design

Unter 359 Patienten, die an 3 norwegischen und einem österreichischen Zentrum gescreent wurden, hatten 82 ihre Teilnahme abgelehnt, 107 die Einschlusskriterien nicht erfüllt, und 26 aus anderen Gründen nicht teilgenommen, sodass 144 Patienten randomisiert werden konnten. Sie erfüllten die ICD-10-Kriterien für Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (F20-F29) und zeigten Symptome einer aktiven Psychose. Die Behandlung geschah unverblindet, und sowohl die Anfangsdosis als auch Anpassungen der Therapie blieben dem behandelnden Arzt überlassen.

Ergebnisse

  • Der durchschnittliche Wert auf der Skala der Positiven und Negativen Syndrome (PANSS) hatte anfänglich bei 78,4 gelegen. Die Reduktionen nach 52 Wochen (primärer Endpunkt) betrugen:
    • Amisulprid: 32,7 Punkte
    • Aripiprazol: 21,9 Punkte
    • Olanzapin: 23,3 Punkte
  • Damit war Amisulprid signifikant wirksamer als Aripiprazol (p = 0,027) und Olanzapin (p = 0,025).
  • Zunahmen bei Gewicht, Serumlipiden und Prolaktin wurden in allen Gruppen beobachtet.
  • 20 Patienten erlitten insgesamt 26 schwere Nebenwirkungen, darunter 4 (9 %) unter Amisulprid, 10 (21 %) unter Aripiprazol, und 6 (12 %) unter Olanzapin. Diese Unterschiede waren statistisch nicht signifikant.

Klinische Bedeutung

Bei der Reduktion des PANSS waren die nach eigenem Ermessen handelnden Ärzte in der klinischen Praxis mit Amisulprid erfolgreicher als mit Aripiprazol und Olanzapin. Die Unterschiede bei den Nebenwirkungen waren gering. Die Autoren folgern, dass ihre Studie die Annahme unterstützt, dass es zwischen den Antipsychotika klinisch relevante Unterschiede gibt, und sie regen an, dass die Forschung darauf abzielen sollte, diese Arzneien unter alltäglichen Praxisbedingungen zu testen.

Finanzierung: Forschungsrat Norwegen, Western Norway Regional Health Trust, und die teilnehmenden Kliniken und Universitäten.