Schizophrenie: Studie spricht für direkten Wechsel zu Clozapin nach dem ersten Fehlschlag


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Studie mit innovativem Design kommt nach der sequentiellen Behandlung von anfänglich 446 Patienten mit einer ersten Schizophrenie-Episode zu dem Schluss, dass die Remissionrate durch die Gabe zweier verschiedener Antipsychotika in Folge nicht besser ist, als wenn schon nach dem ersten Fehlschlag auf Clozapin umgestellt wird.

Hintergrund

Zur Behandlung der Schizophrenie gibt es mehrere medikamentöse Optionen, allerdings konnte sich bisher kein therapeutischer Algorithmus durchsetzen. So ist unbekannt, ob das Ergebnis bei einer ersten Episode durch den Wechsel von Antipsychotika gegenüber dem frühen Einsatz von Clozapin besser ist.

Design

Die OPTiMiSE-Studie rekrutierte an 27 Zentren 446 Patienten zwischen 18 und 40 Jahren mit einer DSM-IV-Diagnose „Schizophrenie“, „schizophreniforme Störung“ oder „schizoaffektive Störung“, und sie bestand aus mehreren Phasen: Auf eine vierwöchige einarmige, unverblindete erste Phase mit 800 mg Amisulprid täglich folgte in der zweiten Phase ein randomisierter, doppel-blinder Teil für jene Patienten, die keine symptomatische Remission zeigten. Sie erhielten 6 weitere Wochen entweder weiterhin Amisulprid oder wurden auf Olanzapin ≤ 20 mg/Tag umgestellt. Alle Patienten, die dann immer noch nicht in Remission waren, erhielten Clozapin in einer Dosierung von bis zu 900 mg/Tag für weitere 12 Wochen.

Hauptergebnisse

  • Die erste, offene, Phase unter Amisulprid beendeten 371 (83 %) Patienten; 250 der Intention-to-treat Population (56 %) erreichte eine Remission.
  • Unter den verbliebenen 93 Patienten beendeten 72 (77 %) die doppelblinde Phase der Studie (39 unter Olanzapin und 33 mit Amisuprid). Die Remissionsraten betrugen hier 45 bzw. 44 % (p=0,87).
  • Von der verbleibenden 40 Patienten starteten 28 (70 %) die dritte Phase mit Clozapin, von denen 18 (64 %) diese Phase auch beendeten, und unter denen wiederum 5 (28 %) eine Remission erreichten.
  • Die Rate schwerer Nebenwirkungen in Phase 2 war in beiden Gruppen gleich.

Klinische Bedeutung

Die Studie hat ein ungewöhnliches Design, das zur Ermittlung eines Therapie-Algorithmus geeignet erscheint, möglicherweise aber mit fortschreitender Dauer aufgrund immer kleinerer Patientenzahlen an Aussagekraft verliert. Die Autoren schlussfolgern, dass die meisten Patienten in frühen Phasen einer Schizophrenie durch den einfachen Algorithmus mit sequentieller Gabe von Amisulprid und Clozapin eine Remission erreichen können. Sie argumentieren, dass die Umstellung auf Olanzapin in Phase 2 das Ergebnis nicht verbessert hat, und daher Clozapin unmittelbar nach dem ersten Fehlschlag gegeben werden sollte, statt das Ergebnis zweier Antipsychotika abzuwarten, wie es die gegenwärtigen Empfehlungen vorsehen.

Finanzierung: 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union.