Schizophrenie: Netzwerk-Meta-Analyse listet Wirksamkeit und Nebenwirkungen von 32 Antipsychotika

  • The Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

In der bislang größten Netzwerk-Meta-Analyse zur Schizophrenie haben unabhängige Forscher alle großen medizinischen Literaturdatenbanken nach Evidenz zur Wirksamkeit und den Nebenwirkungen alter und neuer Antipsychotika durchsucht, und für 17 Parameter die Effektgrößen geschätzt

Hintergrund

Die Schizophrenie ist nicht nur eine der häufigsten, sondern auch der am stärksten belastenden und teuersten psychiatrischen Erkrankungen. Da die Standardbehandlung aus der Gabe von Antipsychotika besteht, ist das Interesse groß, deren Wirksamkeit untereinander zu vergleichen. Angesichts der Vielzahl von Substanzen könnte eine Netzwerk-Meta-Analyse hier belastbare Erkenntnisse bringen, die in dieser Form aus einzelnen Vergleichsstudien nicht zu gewinnen sind.

Design

Netzwerk-Meta-Analyse zu Placebo-kontrollierten Studien und randomisierten Vergleichsstudien mit 32 verschiedenen Antipsychotika. Diese wurden anhand einer Literatursuche in 8 Datenbanken identifiziert. Ausgeschlossen wurden Studien zur Therapieresistenz, einer ersten schizophrenen Episode, vorwiegend negativer oder depressiver Symptomatik, Co-Morbidität und Rückfall-Prävention. Primäres Studienziel war die Veränderung der Gesamtsymptomatik auf standardisierten Bewertungsskalen; außerdem wurden Daten zu jeweils 8 Parametern für Wirksamkeit und Sicherheit extrahiert.

Ergebnisse

  • Unter 54.417 Literaturverweisen fanden die Autoren 402 geeignete Studien mit insgesamt 53.463 Patienten.
  • Die Schätzung der Effektgrößen ergab, dass alle Wirkstoffe die Gesamtsymptomatik stärker besserten als Placebo, lediglich für 6 Arzneien war der Unterschied nicht signifikant. Die, mittels eines Internet-basierten Rechners erhobene, Belastbarkeit der Evidenz war jedoch oftmals „niedrig oder sehr niedrig“, schreiben die Forscher.
  • Die standardisierten Unterschiede in der Effektivität waren mit -0,89 für Clozapin am größten, gefolgt von Amisulprid (- 0,73), Zotepin (- 0,61), Thiotixen (- 0,63), Olanzapin (- 0,56) und Risperidon (- 0,55).
  • Bezüglich der Positivsymptomatik schnitten Amisulprid (- 0,69), Risperidon (- 0,61), Clozapin (- 0,64), Chlorpromazin (- 0,57) sowie Olanzapin und Paliperidon (je – 0,53) am besten ab.
  • Die Negativsymptomatik wurde am besten gelindert durch Clozapin (-0,62), Zotepin (-0,54), Amisulprid (- 0,50), Olanzapin (- 0,45) sowie Asenapin und Perphenazin (je – 0,42).

Klinische Bedeutung

Die vermutlich bislang umfassendste Netzwerk-Meta-Analyse zur Schizophrenie liefert eine Vielzahl von Zahlen, um die relative Wirksamkeit einzelner Antipsychotika auf die Gesamt-, Positiv-, und Negativsymptomatik abzuschätzen, und sie umfasst weitere „Ranglisten“ zu den häufigsten Nebenwirkungen dieser Medikamente, wie Gewichtszunahme, Bewegungsstörungen, oder QT-Zeit-Verlängerung. Die Befunde stellen ein wichtiges und unabhängiges Instrument dar, um Klinikern bei der Auswahl der optimalen Wirkstoffe angesichts individueller Vulnerabilitäten zu assistieren.

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung.