Schädel-Hirn-Trauma: Tranexamsäure senkt zerebral bedingte Mortalität

  • The Lancet

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Antifibrinolytikum Tranexamsäure kann bei Patienten mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) die Mortalität aufgrund der zerebralen Verletzung deutlich senken, wenn es innerhalb von drei Stunden verabreicht wird. Bei späterer Therapie schwindet der Nutzen. Patienten mit schwerem SHT profitieren nicht mehr von der medikamentösen Behandlung. 

Hintergrund

Für Tranexamsäure ist belegt, dass sie die Mortalität bei extrakraniellen Blutungen senken kann. Unklar war bislang, ob von dem Wirkstoff auch Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen profitieren, deren Prognose sehr stark davon abhängt, ob die Verletzung mit intrakraniellen Blutungen und Hirnödem sowie Hirndruck-Zunahme einhergeht. Dieser Frage sind nun die Autoren der vorliegenden Studie nachgegangen.

Design

Randomisierte und Placebo-kontrollierte Multicenterstudie, an der SHT-Patienten aus 175 Kliniken von 29 Ländern teilnahmen. Aufgenommen wurden erwachsene Patienten mit einem maximal drei Studien zurückliegenden SHT, einem Score-Wert von maximal 12 auf der GCS (Glasgow Coma Scale) oder einer intrakraniellen Blutung (CT), aber ohne extrakraniellen Blutungen. Von 9202 Patienten erhielten 6406 Tranexamsäure (1-Gramm in zehn Minuten, dann ein Gramm über acht Stunden) und 6331 ein Placebo. Primärer Endpunkt war die SHT-assoziierte Klinik-Mortalität innerhalb von 28 Tagen nach dem Trauma. 

Hauptergebnisse

  • Die Rate der SHT-assoziierten Todesfälle betrug in der Gruppe mit Tranexamsäure 18,5 Prozent, in der Kontroll-Gruppe 19,8 Prozent (Risiko-Verhältnis [RR] 0,94; 95% CI 0,86–1,02]). Dieses Ergebnis war statistisch nicht signifikant.
  • Eine Analyse, bei der Patienten mit einem GCS-Wert von 3 oder beidseits lichtstarren Pupillen nicht berücksichtigt wurden, ergab eine Rate SHT-assoziierter Todesfälle von 12,5 Prozent in der Verum-Gruppe und 14,0 Prozent in der Placebo-Gruppe (RR 0·89 [95% CI 0,80–1,00]). 
  • Weitere Berechnungen ergaben, dass die SHT-assoziierte Mortalitätsrate bei Patienten mit leichtem bis moderat ausgeprägtem SHT (GCS 9 bis 15) in der Tranexamsäure-Gruppe signifikant reduziert war (RR 0,78 [95% CI 0,64–0,95]. Dies galt aber nicht für Patienten mit schwerem SHT (0,99 [95% CI 0,91–1,07]). 
  • Eine frühe Therapie mit dem Antifibrinolytikum war bei Patienten mit leichtem bis moderat ausgeprägtem SHT signifikant effektiver als eine spätere Therapie. Bei Patienten mit schwerem SHT spielte der Zeitpunkt der Therapie keine relevante Rolle mehr.
  • Die Gesamt-Mortalitätsraten unterschieden sich zwischen Verum- und Placebo-Gruppe nicht.

Klinische Bedeutung 

Die Studie (CRASH-3) belege erstmals den Nutzen einer pharmakologischen Intervention in der Akutphase eines Schädel-Hirn-Traumas, heißt es in einem begleitenden Kommentar zu der Studie. Voraussetzung sei allerdings eine sehr frühe Therapie (Zeitfenster drei Stunden). Ohne schwer hirngeschädigte Patienten in der Studie wäre das Ergebnis in der Gruppe mit Tranexamsäure noch besser ausgefallen, so die Autoren. Das Antifibrinolytikum habe sich nach Angaben der Autoren zudem als sicher erwiesen. Allerdings seien venöse Thromboembolien als mögliche Komplikation der Notfall-Therapie in der Studie nicht erfasst worden, so der Kommentator. Limitiert werde die Studie zudem dadurch, dass die Dosierungs-Regime der Studien mit dem Antifibrinolytikum ziemlich gleich gewesen seien. In künftigen Studien sollten zum Beispiel erhöhte Dosierungen bei Patienten mit Blutungen und auch andere Applikationsweisen (etwa intramuskulär) geprüft werden. Aber trotz mancher Limitierungen sei die aktuelle Studie eine bemerkenswerte Studie, die die alltägliche Praxis ändern werde.

Finanzierung:  National Institute for Health Research Health Technology Assessment, JP Moulton Charitable Trust, Wellcome Trust und andere.