Schädel-Hirn-Trauma möglicherweise ein Risikofaktor für Suizid


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Ein Schädel-Hirn-Trauma ist womöglich ein Risikofaktor für einen Suizid. Dies gilt vor allem für ein schweres zerebrales Trauma.

Hintergrund

Traumatische Hirnschäden können schwere Langzeitfolgen haben, dazu zählen auch psychische Störungen. Relativ wenig ist zum Zusammenhang zwischen Schädel-Hirn-Traumen und Suiziden bekannt. Ein Forscherteam hat dies nun anhand von dänischen Register-Daten untersucht. 

Design

Retrospektive Kohorten-Studie mit den Register-Daten von rund 7,4 Millionen Personen, die mindestens zehn Jahre in Dänemark lebten. Insgesamt konnten die Autoren für eine statistische Berechnung 164.265.624 Personen-Jahre auswerten. 567 823 (7,6%) Personen hatten wegen eines Schädel-Hirn-Traumas medizinische Hilfe in Anspruch genommen (1977-2014). Die Zahl der Suizide (bis 31.12.2014) entnahmen die Autoren dem dänischen Sterberegister: Sie betrug 34.529 (Durchschnittsalter 52 Jahre, ein Drittel Frauen). Medizinische Hilfe hatten 2701 wegen eines leichten Schädel-Hirn-Traumas aufgesucht, 174 wegen einer Schädel-Fraktur ohne dokumentiertes zerebrales Trauma und 661 wegen einer schweren zerebralen Verletzung.

Hauptergebnisse

  • Die Suizid-Rate betrug bei den Personen mit SHT 41 pro 100.000 Personen-Jahre und 20 bei jenen ohne ein solches Trauma. Daraus ergab sich eine Inzidenzrate von 1,90 (95% CI: 1,83 -  1,97)
  • Die höchste Inzidenzrate hatten Personen mit schwerem SHT (2,38; 95% CI: 2,20 - 2,58).
  • Bei Personen mit leichtem SHT und alleiniger Schädelfraktur betrugen die Inzidenzraten 1,81 (95% CI: 1,74 -1,88) und 2,01 (95% CI: 1,73 - 2,34).
  • Je häufiger medizinische Hilfe wegen eines SHT aufgesucht wurde, desto größer war die Suizid-Rate.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der aktuellen Studie bestätigen Resultate anderer Untersuchungen und stärken so die Vermutung, dass ein SHT ein relevanter Risikofaktor für einen Suizid ist. Die Aussagekraft der Kohortenstudie ist methodisch bedingt aber grundsätzlich limitiert. So ist zu bedenken, dass ein Suizid von vielen Faktoren abhängt, die jedoch in der vorliegenden Studie nicht alle berücksichtigt wurden. Dennoch könnten die aktuellen Ergebnisse für eine verbesserte Suizid-Prävention genutzt werden.

Finanzierung: öffentliche Mittel und Lundbeck Foundation