Schädel-Hirn-Trauma: Gefahr von Schlägen häufig unterschätzt


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Ein ungeschicktes Stolpern über den Randstein, ein Sturz vom Fahrrad oder ein heftiger Kopfball beim Sport – die Gefahr für Schädel-Hirn-Verletzungen lauert an vielen Orten des alltäglichen Lebens. „Viele sind sich nicht bewusst, dass jeder kräftige Schlag gegen den Kopf gefährlich sein kann", so Prof. Dr. Andreas Unterberg, Ärztlicher Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Rund 200 Patienten werden jährlich wegen Verletzungen im Schädel-Hirn-Bereich in Heidelberg aufgenommen. Die Verletzungen sind sehr unterschiedlich und reichen von harmloseren, kaum mit Methoden der Bildgebung erkennbaren Schäden, bis hin zu schweren Quetschungen und Blutungen. Insbesondere die Gefahr von weniger starken Schlägen gegen den Kopf wird häufig unterschätzt. Auch leichtere Verletzungen können gravierende Folgen haben, beispielsweise dann wenn ein Fußballer beim Kopfballduell hart mit einem Mitspieler zusammenstößt. Nach einer kurzen Bewusstlosigkeit geht es dem Spieler schnell wieder besser, ein paar Tage später treten dann plötzlich Kopfschmerzen auf. Dazu Unterberg: „Ursache kann ein Bluterguss sein, der auf das Nervengewebe drückt. Schlimmstenfalls kann in solchen Fällen sogar eine Operation nötig sein, damit das Gehirn keinen bleibenden Schaden nimmt."

Aktuell beschäftigt sich eine Studie mit dem Thema, ob Kopfbälle chronische Hirnschäden nach sich ziehen, die wiederum das Risiko für Demenz erhöhen. Diskutiert wird auch immer wieder darüber, ab welchem Alter Kopfbälle im Fußball erlaubt werden sollen. Der Deutsche Fußball Bund empfiehlt daher Kopfballtraining bei Kindern erst ab 13 Jahren. In den Niederlanden liegt die Altersgrenze gar bei 16 Jahren. Noch konsequenter handelten Eltern in den USA. Mit einer Sammelklage erreichten Sie, dass ein Verbot für Kopfbälle bei Kindern unter zehn Jahren eingeführt wurde.

Die Einführung der Helmpflicht beim Motorradfahren hatte einen durchschlagenden Erfolg. „Tödliche Unfälle bei Motorradfahrern gehen seit Einführung der Helmpflicht nur noch selten auf Kopfverletzungen zurück“, so Unterberg. Er versteht nicht, dass immer noch viele Fahrradfahrer ohne einen schützenden Helm unterwegs sind. Gefahren lauerten laut dem Neurochirurgen nicht nur beim sportlichen Fahren, sondern auch bei der gemütlichen Radtour im Kreise von Freunden und Familie.

Gefährdet sind auch Senioren, die nicht mehr ganz stabil auf den Beinen stehen. Stürze auf den Kopf haben bei ihnen häufiger Hirnblutungen zur Folge, weil viele von ihnen Gerinnungshemmer einnehmen. Daher empfiehlt Unterberg: „Wer auf den Kopf fällt und Gerinnungshemmer einnimmt, sollte überwacht werden oder eine Computertomographie des Kopfes erhalten.“