Schaden selbst leichte Schläge auf den Kopf dem Hirn junger Menschen?


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Sogar leichte Schläge auf den Kopf, die noch keine symptomatische Gehirnerschütterung („concussion“) verursachen, können möglicherweise innerhalb kurzer Zeit morphologische Veränderungen im Gehirn verursachen,  die mit einer chronisch-traumatischen Enzephalopathie (CTE )assoziiert sind. Dies zeigen eine Autopsie-Studie und Tierversuche, über die US-Forscher im Fachblatt „BRAIN“  berichten.

Die Wissenschaftler um Erstautor Dr. Chad A. Tagge (Boston University School of Medicine) konnten die Hirne von vier jugendlichen Football-Spielern untersuchen, die 1,2, 10 und 128 Tage vor ihrem Tod geschlossene SHT erlitten hatten. Zwei der Jugendlichen hat Suizid begangen, die beiden anderen hatten nach dem Trauma ein Hirnödem entwickelt. Kein Jugendlicher habe ein SHT erlitten, das schwer genug gewesen sei, um tödlich zu sein, berichtet der Senior-Autor der Studie Professor Lee Goldstein (Boston University School of Medicine). Kernspintomographische und neuropathologische Untersuchungen lieferten allerdings überraschende Befunde: So zeigten sich mikrovaskuläre Schäden als Hinweise auf eine gestörte Bluthirn-Schranke sowie Ansammlungen von Tau-Proteinen. Bei einem Jugendlichen sei eine CTE im ersten Stadium diagnostiziert worden.  Untersuchungen der Gehirne von vier gestorbenen Jugendlichen ohne Schädel-Hirn-Traumata in der Vorgeschichte ergaben hingegen keine solche auffälligen Befunde.

Da solche neuropathologischen Befunde mehrere Ursachen haben können, also nicht unbedingt eine Folge der beim Football erlittenen Kopfschläge sein mussten, haben die Wissenschaftler ihre Hypothese noch in Versuchen an jungen Mäusen geprüft. Auch bei den Tieren fanden sie nach leichten SHT Hinweise auf eine gestörte Blut-Hirn-Schranke, zudem Entzündungszeichen sowie teilweise eine beginnende Akkumulation von Tau-Proteinen.  Zudem ergaben auch Computer-Simulationen, dass symptomatischen Gehirnerschütterungen („concussions“) und der CTE möglicherweise unterschiedliche Pathomechanismen zugrundeliegen.

Insgesamt stärken die Studien-Ergebnisse Befürchtungen, dass selbst relativ geringe Schläge auf den Kopf bei Kindern und Jugendlichen, wie sie beim American Football vorkommen, schädlich für das Gehirn sein können. Die Befunde könnten außerdem erklären, warum bei rund 20 Prozent der Spieler mit manifester CTE keine smptomatischen Gehirnerschütterungen bekannt seien, so Goldstein. Gleichwohl gebe es noch viele Fragen, so etwa, ob aus einer beginnenden CTE bei Jugendlichen im Laufe der Jahre zwangsläufig eine manifeste CTE werde.