SARS-CoV2 bei bestehender HIV-Infektion – Fallbeschreibung und Einschätzung des Risikos


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Ältere Menschen und Menschen mit einer Reihe von Vorerkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Astma, haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Infektion mit SARS-CoV2. Das gilt auch für Menschen mit einer Immunschwäche. Nach Einschätzung des Infektionsmediziners Prof. Dr. med. Johannes Bogner, Klinikum der Universität München ist jedoch nicht davon auszugehen, dass HIV-Positive mit einer gut eingestellten ART einem erhöhten Risiko durch das neue Corona-Virus ausgesetzt sind. Die Deutsche Aidshilfe teilt diese Auffassung.

 

Aus Wuhan wurde ein einzelner schwere Verlauf bei einem HIV-Patienten veröffentlicht.

  • Der Patient ist 61 Jahre alt und starker Raucher. Außerdem wurde bei ihm zuvor Diabetes Typ-2 diagnostiziert.

  • Der Mann ist am 28. Januar erkrankt und wurde am 3. Februar positive auf SARS-CoV2 getestet.

  • Der Mann litt zunächst an trocknem Husten und wiederkehrendem Fieber. Bei der Untersuchung in einer Klinik wurde eine milde Lymphopenie festgestellt (Lymphozytenzahl 1,1 x 109/l. Die CT-Untersuchung ließ auf eine SARS-CoV2-Pneumonie in beiden Lungenflügeln schließen.

  • Am 4. Februar wurde er ins Wuhan Tongji Sino‐French New Town Hospital eingeliefert, einer Spezialklinik für die neue Coronavirus-Infektion. Er hatte zu diesem Zeitpunkt eine Körpertemperatur von 39°C und eine Sauerstoffsättigung von 80%, die sich mit Hilfe einer Atemmaske auf 91% erhöhen ließ.

  • Die Lymphophenie des Mannes verschlechterte sich (Lymphozytenzahl 0,56 X 109/l, Anteil CD4+Zellen bei 4,75%). Im Krankenhaus wurde außerdem seine HIV-Infektion festgestellt.

  • Umgehend wurde eine Therapie mit zweimal täglich Lopinavir/Ritonavir 400/100mg über zwölf Tage begonnen, wie es der Empfehlung der chinesischen Gesundheitsbehörde für Patienten mit SARS-CoV entsprach.

  • Außerdem erhielt der Mann über einen Zeitraum von sieben Tagen einmal täglich, Moxifloxacin 400mg, für drei Tage einmal Täglich γ‐Globulin 400mg/kg soie ebenfalls für drei Tage einmal täglich intravenös Methilprednisolon 0.8 mg/kg.

  • Am 9. Februar zeigte der Patient eine merkliche Besserung seiner klinischen und radiologischen Befunde.

  • Am 15. Februar wurde der Mann negativ auf SARS-CoV2 getestet und am 17. Februar aus der Klinik entlassen.

 

Bedeutung

Die chinesischen Autoren schließen ihren Fallbericht mit dem Hinweis darauf, dass HIV-Patienten mit zu der Gruppe der gefährdeten Personen zu zählen sei. Allerdings ist der beschriebene Patient älter als 60 Jahre und weist mit seiner Diabetes-2-Erkrankung eine weitere Begleiterkrankung auf, die als Risikofaktor für einen schweren Verlauf zählt. Außerdem lässt sich der Bericht dahingehend interpretieren, dass der beschriebene Patient nichts von seiner HIV-Erkrankung wusste und daher auch keine ART bekam.

Die Deutsche Aidshilfe betont, dass eine nicht behandelte HIV-Infektion und ein dadurch geschwächtes Immunsystem zählt zu Vorerkrankungen, zählt, die mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf von COVID19 einher gehen. Nach aktuellen Schätzungen leben in Deutschland mehr als 10.000 Menschen mit einer nicht diagnostizierten HIV-Infektion.

Gleichzeitig betont die Deutsche Aidshilfe, dass es bislang keine Anzeichen dafür gibt, dass bei einer funktionierenden HIV-Therapie eine besondere Gefährdung durch das Coronavirus besteht. Allerdings gibt es dazu derzeit noch keine Daten.

Die Europäische klinische Aids-Gesellschaft sowie die Britische HIV-Gesellschaft teilen diese Einschätzung, verweisen aber auch darauf, darauf, viele HIV-Positive älter sind als 50 Jahre und bei vielen Betroffenen außerdem chronische Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungen-Erkrankungen vorliegen.