Sarkoidose-Patienten langfristig vermehrt von Herzinsuffizienz und Arrhythmien betroffen

  • Journal of the American College of Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit Sarkoidose haben im Vergleich zu Personen ohne diese Erkrankung ein langfristig höheres Risiko für eine Herzinsuffizienz und andere unerwünschte kardiale Komplikationen.

Hintergrund

Die Sarkoidose ist eine granulomatöse Erkrankung mit verstärkter zellulärer Immunantwort. Betroffen sind vor allem die Lymphknoten und das Lungengewebe, es kann aber so gut wie jedes andere Organ befallen sein. Die Ursache dieser Erkrankung ist unbekannt. Pro Jahr erkranken 20 bis 40 von 100.000 Einwohnern an Sarkoidose. Am häufigsten sind Menschen im Alter zwischen 20 - 40 Jahren betroffen, dabei Frauen etwas häufiger als Männer. Raucher erkranken seltener an Sarkoidose als Nichtraucher; der Zusammenhang ist jedoch nicht ausreichend geklärt.

Es wird geschätzt, dass bei etwa fünf Prozent der Patienten mit Sarkoidose auch das Herz klinisch manifest beteiligt ist. Autopsie-Studien und radiologische Untersuchungen weisen allerdings auf eine signifikant höhere Prävalenz der Herzbeteiligung hin. Aktuelle Daten zum Risiko kardialer Störungen, insbesondere Herzinsuffizienz, gibt es bei Patienten mit Sarkoidose nicht. Die Autoren der vorliegenden Studie sind daher der Frage nachgegangen, welches kardiale Langzeitrisiko Sarkoidose-Patienten im Vergleich zu passenden Personen einer Kontroll-Gruppe haben.

Design

In der dänischen Kohortenstudie auf Basis von Registerdaten wurden 12.042 Patienten im Alter von ≥ 18 Jahren mit neu diagnostizierter Sarkoidose (1996 bis 2016) identifiziert und mit 11.834 Personen einer Kontroll-Gruppe mit möglichst gleichem Alter, Geschlecht und Komorbiditäten verglichen. Das Durchschnittsalter betrug 42,8 Jahre ([25. bis 75. Perzentil: 33,1 bis 55,8 Jahre], 54,3% Männer), die mediane Beobachtungsdauer 8,2 Jahre.

Hauptergebnisse

  • Die absolute 10-Jahres-Häufigkeit für eine Herzinsuffizienz betrug bei Sarkoidose-Patienten 3,18 Prozent (95%-Konfidenzintervall [CI]: 2,83% bis 3,57%) und 1,72 Prozent in der Kontroll-Gruppe (95% CI: 1,58% bis 1,86%).
  • Der kombinierte Endpunkt aus ICD-Implantation, ventrikulären Arrhythmien und Herzstillstand wurde in der Sarkoidose-Gruppe von 0,96 Prozent (95% CI: 0,77% bis 1,18%) der Patienten erfüllt; in der Kontroll-Gruppe betrug der Anteil 0,45 Prozent (95% CI: 0,38% bis 0,53%). 
  • Den kombinierte Endpunkt aus Schrittmacher-Implantation, AV-Block und sinoatrialer Dysfunktion erfüllten 0,94 Prozent der Sarkoidose-Kranken (95% CI: 0,75% bis 1,16%) und 0,51 Prozent der Personen in der Kontroll-Gruppe (95% CI: 0,44% bis 0,59%).

Unterschiede gab es auch bei folgenden Parametern:

  • Vorhofflimmern oder -flattern: 3,44 Prozent (95% CI: 3,06% bis 3,84%) bei Sarkoidose-Patienten versus 2,66 Prozent (95% CI: 2,49% bis 2,84%)
  • Gesamtmortalität: 10,88 Prozent (95% CI: 10,23% bis 11,55%) bei Sarkoidose-Patienten versus 7,43 Prozent  (95% CI: 7,15% bis 7,72%)

Klinische Bedeutung

Die Kohorten-Studie hat nach Angaben der dänischen Autoren drei wesentliche Ergebnisse:

  1. Bei Sarkoidose-Kranken trat während der Langzeit-Beobachtungsphase häufiger eine Herzinsuffizienz auf als in der vergleichbaren Bevölkerung. 
  2. Patienten mit Sarkoidose, die eine Herzinsuffizienz entwickelten, hatten eine im Vergleich höhere Sterberate.
  3. Sarkoidose war mit einer langfristig höheren Rate an anderen kardialen Störungen verbunden. 

Da es sich allerdings nur um eine Beobachtungsstudie handelt, sind den Autoren zufolge keine Aussagen über kausale Beziehungen möglich. Limitiert werde die Aussagekraft der Studie zudem durch das Fehlen wichtiger klinischer Informationen, etwa zur linksventrikulären Ejektionsfraktion oder zum Nikotin-Abusus. Insgesamt betrachtet seien daher weitere große Studien erforderlich, um weitere Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Sarkoidose und kardialen Komplikationen zu gewinnen. 

Finanzierung: keine Angaben