Sanierungsmaßnahmen gegen Bleibelastung ohne klaren Effekt auf Verhaltensparameter


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In den USA hat man im Rahmen einer klinischen Studie nach der Sanierung Blei-belasteter alter Häuser eine nicht signifikante Reduktion der Blutwerte bei Kindern beobachtet, die ohne Auswirkung auf Verhalten und IQ blieb.

Hintergrund

Blei schädigt das Nervensystem, behindert die Hirnentwicklung bei Kindern und fördert mindestens einer Studie zufolge auch die Kriminalität im Jugendalter. Wenige Daten gibt es jedoch zu den Auswirkungen von Interventionsmaßnahmen auf die Bleiexposition und auf das Verhalten der Kinder.

Design

Gemeinschaftsbasiertes Programm zur Reduktion der Bleiexposition schwangerer Mütter und ihrer Kinder im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie in Cincinnati, Ohio. Von 1263 Frauen, die geeignet waren, stimmten 468 (37 %) zu und 355 nahmen schließlich teil. Während in der einen Gruppe Interventionsmaßnahmen in den vor 1978 gebauten Häusern und Wohnungen spezifisch gegen die Bleibelastung durchgeführt wurden (Bodenabdeckungen, Trinkwasserfilter, Austausch von mit Blei lackierten Fensterahmen etc.), diente die andere Gruppe mit Maßnahmen gegen mögliche Verletzungsursachen als Kontrollgruppe. Gemessen wurden die Bleistaubkonzentrationen zu Beginn und im Kindesalter von 1 und 2 Jahren. Zu diesen Zeitpunkten sowie mit 3, 4, 5 und 8 Jahren wurden auch die Bleikonzentrationen im Blut der Kinder bestimmt, sowie Verhalten, Kognition und Exekutivfunktionen gemessen.

Hauptergebnisse

  • Die Bleistaubbelastung der Böden sank gegenüber der Kontrollgruppe um durchschnittlich 24 %, auf den Fensterbänken um 40 % und in den Ritzen um 47 %.
  • Die Bleikonzentrationen im Blut der Kinder nahmen um durchschnittlich 6 % ab, mit einem 95%-Konfidenzintervall von -17 % bis 6 % und einem P-Wert von 0,29 war dieser Unterschied aber nicht signifikant. Lediglich bei separater Betrachtung afro-amerikanischer Kinder ergab sich mit 31 % ein signifikanter Unterschied.
  • Die Verhaltenstests erbrachten im Allgemeinen geringfügig - aber nicht signifikant - niedrigere Werte für Verhaltensprobleme, höhere IQ-Werte und bessere Exekutivfunktionen in der Interventionsgruppe. Lediglich beim Parameter Angst berichteten die Eltern in der Interventionsgruppe signifikant niedrigere Werte als in der Kontrollgruppe.

Klinische Bedeutung

Die aktuelle Studie beeindruckt durch den Ansatz, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen und gleichzeitig die Auswirkungen dieser Maßnahme zu dokumentieren. Als Zielgruppe wurden mutmaßlich unterprivilegierte, vorwiegend afroamerikanische Mütter und deren Kinder ausgewählt, von denen jedoch zwei Drittel letztlich nicht teilnahmen. Dies ist eine Quelle möglicher Verzerrungen und letztlich konnte „nur“ gezeigt werden, dass mit den durchgeführten Maßnahmen die Bleiexposition im Haushalt vermindert werden kann. Beim Blutspiegel wurde das Ziel aber verfehlt, sei es, weil die Bleiwerte verhältnismäßig niedrig waren, oder die Sanierung nicht gut genug.

Finanzierung: US Environmental Protection Agency, US Department of Housing and Urban Development