SABCS 2022 – Disparitäten bei Behandlungsergebnissen aufgrund ethnischer Herkunft: Was tun?

  • Univadis
  • Conference Report
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Erkenntnis

  • Unterschiede bei den Behandlungsergebnissen aufgrund ethnischer Herkunft sind möglicherweise auf eine ausgeprägtere pro-metastatische Tumormikroumgebung (TMEM) bei farbigen im Vergleich zu weißen Patientinnen zurückzuführen, bei denen nach einer neoadjuvanten Chemotherapie (NAC) noch restliche Östrogenrezeptor(ER)-positive/HER2-negative Brustkrebszellen vorhanden sind. Zur Erklärung von TMEM: Krebszellen metastasieren von Primärtumoren über das Lymph- bzw. Blutgefäßsystem in regionale Lymphknoten und entfernte Standorte. Studien haben haben gezeigt, dass Krebszellen in primären Brusttumoren einen Drei-Zellen-Komplex (bekannt als Tumormikroumgebung der Metastasierung oder TMEM) nutzen, der aus einem perivaskulären Makrophagen, einer Tumorzell, und einer Endothelzelle als funktionellem "Türöffner" für die hämatogene Verbreitung besteht.
  • Aus zukünftiger Sicht könnte die TMEM-Dichte ein prognostischer Marker für das Fernrezidiv-freie Überleben (distant recurrence-free survival, DRFS) und ein prädiktiver Marker für das Ansprechen auf RMEM-Inhibitoren sein.

Warum das wichtig ist

  • Schwarze Frauen weisen im Vergleich zu weißen Frauen mit lokalisiertem Brustkrebs eine höhere Mortalität und ein schlechteres DRFS auf.
  • Nicht alle beobachteten ethnisch bedingten Disparitäten können durch soziale Determinanten erklärt werden.
  • TMEM-Portale (Tumorzellen + Makrophagen + Endothelzellen) stellen Portale für die Dissemination von Krebszellen dar und können eine Rolle bei der Erklärung ethnisch bedingter Disparitäten spielen.

Studiendesign

  • Prospektive-retrospektive, multiinstitutionelle Fallkontrollstudie
  • 183 Patientinnen (96 schwarz, 87 weiß laut Selbstidentifikation) mit Resterkrankung nach NAC
  • Beurteilung des Scores für die Dichte an TMEM-Portalen + die Makrophagendichte und deren Beziehung zum DRFS

Wesentliche Ergebnisse

  • Score für die Dichte an TMEM-Portalen ist bei POC (people of colour) in der gesamten Kohorte und für den ER-positiven/HER2-negativen Subtyp höher (p = 0,0018 bzw. 0,0102), nicht jedoch in der Untergruppe mit dreifach-negativem Brustkrebs (TNBC).
  • Makrophagendichte: ähnlicher Trend wie bei Score für TMEM-Portale
  • Keine ethnisch bedingten Unterschiede in der mikrovaskulären Dichte
  • Ein hoher Score für TMEM-Portale ist in der gesamten Kohorte mit einem schlechteren DRFS assoziiert.
  • Score für TMEM-Portale: stellt bei allen Patientinnen einen unabhängigen prognostischen Risikofaktor dar (HR hoch vs. mittel/niedrig: 2,01; P = 0,01).
  • Zeigt Trend, für den ER-positiven/HER2-negativen Subtyp ein unabhängiger prognostischer Risikofaktor zu sein (HR: 2,33; P = 0,06).

Einschränkungen

  • Keine Prä-NAC-Daten verfügbar

Expertenkommentar

„Die Ergebnisse dieser Studie sind sehr aufschlussreich, aber es ist unklar, ob sich die TMEM durch die NAC verändert hat, da keine Daten aus der Zeit vor der NAC vorliegen. Weitere Studien sind daher gerechtfertigt. Generell ist die Biologie wichtig, aber wir müssen auch tiefer gehen, um die verborgenen Faktoren, die zu ethnisch bedingten Disparitäten beitragen, zu verstehen und uns mit ihnen zu befassen.“ Lori Pierce, Professorin für Radioonkologie an der University of Michigan.