S3-Leitlinie zur Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Patienten aktualisiert

  • Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Für die Rehabilitation von herzkranken Patienten gibt es nun eine aktuelle S3-Leitlinie.

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/133-001.html

Diese länderübergreifende Leitlinie zur kardiologischen Rehabilitation soll nicht nur eine Hilfe und Orientierung im Rehabilitationsalltag sein, sie soll vielmehr auch dazu beitragen, die kardiologische Rehabilitation zum Wohle der Patienten weiterzuentwickeln.

Herzpatienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK), chronischer Herzinsuffizienz oder Herzklappenerkrankungen wird empfohlen, eine kardiologische Rehabilitation durchzuführen, da diese den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und die Lebensqualität verbessern kann. Bei Patienten nach einem Herzinfarkt oder nach einer Bypass-Operation senkt die Teilnahme an einer kardiologischen Rehabilitation (KardReha) die Sterblichkeit deutlich. Bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (HFrEF) werden körperliche Belastbarkeit und Lebensqualität deutlich verbessert. Gemäß erster Studienergebnisse senkt eine KardReha auch bei Patienten nach Klappenkorrektur, insbesondere nach kathetergestütztem Aortenklappenersatz (TAVI), die Sterblichkeit deutlich. 

Das gesamte Spektrum der Rehabilitation

Die S3-Leitlinie befasst sich mit dem gesamten Spektrum der kardiologischen Rehabilitation ausgehend von den Zielen und den Indikationen bis hin zu den therapeutischen Schwerpunkten (medizinische Betreuung, Sekundärprävention und körperliches Training, psychosomatische Betreuung und Schulungen). In besonderem Maße wird auf die individuelle Betreuung der Patienten unter Berücksichtigung des jeweiligen Krankheitsbilds, wichtiger Begleiterkrankungen und der jeweiligen psychosozialen Situation Wert gelegt. 

Indikationen und Rehabilitations-Maßnahmen

Über die Hauptindikationen für eine kardiologische Rehabilitation hinaus diskutiert die Leitlinie auch ausführlich die rehabilitative Therapie selbst. Dies betrifft insbesondere das differenzierte körperliche Training, das kardiovaskuläre Risiko-Management, die psychosozialen Interventionen und die Schulungen. Auch seltenere Indikationen wie „Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH)“, „Kunstherz (VAD)“, „Myokarditis“, „periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)“, „Lungenembolie“ und „pulmonale Hypertonie“ werden evaluiert.

Zusammenfassend zeigt diese Leitlinie die Stärken, aber auch die Grenzen, der aktuell praktizierten kardiologischen Rehabilitation. Gut belegt ist, dass die Intensität der therapeutischen Maßnahmen wie körperliches Training und Reduktion der kardiovaskulären Risikofaktoren ein Minimum überschreiten muss, um insbesondere die Prognose der betroffenen Patienten zu verbessern. 

Aufgaben für die Zukunft

Entwicklungsbedarf besteht nach Angaben der Autoren bei den Rehabilitationswissenschaften. Hier fehlt es u.a. an weltweit akzeptierten Standards für kontrollierte Reha-Studien. Auch sind viele spezifische Patienten-Gruppen oder spezielle Themen wie die soziale Wiedereingliederung der Patienten oder die Kosten-Effektivität der Rehabilitation unzureichend untersucht.

Erstellt haben die Empfehlungen die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. (DGPR) und Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich klinisch und wissenschaftlich mit der kardiologischen Rehabilitation beschäftigen. Koordiniert haben die neue Leitlinie Prof. Dr. med. Bernhard Schwaab (Curschmann Klinik, Timmendorfer Strand) und Prof. Dr. med. Bernhard Rauch vom Institut für Herzinfarktforschung in Ludwigshafen. Wegen der großen Bedeutung sozialmedizinischer Fragestellungen wurde die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV-Bund) an der Ausarbeitung und Konsentierung dieser Leitlinie beteiligt. Über die Deutsche Herzstiftung waren vier Patientenvertreter eingebunden, damit die Aspekte der partizipativen Entscheidungsfindung („patients preference“) berücksichtigt werden konnten. Der Review-Prozess wurde methodisch von der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) begleitet.

Zentrale Themen der neuen S3-Leitlinie werden auf der 86. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim im Rahmen eines eigenen Symposiums am Freitag, den 17. April 2020 um 11:30 Uhr in Raum 19 vorgestellt.