S3-Leitlinie Palliativversorgung in der Onkologie ist aktualisiert und erweitert

  • Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patient/innen mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“ ist aktualisiert und erweitert worden. Sie enthält 8 neue Kapitel, darunter tumorbedingte Fatigue und die diagnostische und therapeutische Abgrenzung zu schlafbezogenen Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen, maligne Wunden und den Umgang mit dem Wunsch zu sterben. Hauptziel sei, die Symptomkontrolle und die palliativmedizinische Versorgung von Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung zu verbessern und die Angehörigen zu unterstützen.

Hintergrund
Bei einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und der Prognose, dass die Überlebenszeit vergleichsweise kurz sein wird, müssen viele Fragen entschieden werden: medizinisch-therapeutische, pflegerische, versorgungsbezogene, aber auch Fragen mit ethisch-normativen Aspekten des Lebens: Soll eine weitere Diagnostik oder eine gegen die Tumorerkrankung gerichtete Therapie erfolgen? Was soll geschehen, wenn es zu einer Komplikation kommt? Wer soll die Zustimmung oder Ablehnung zu Therapien ausdrücken, wenn der Patient selbst nicht einwilligungsfähig ist? Wo soll der Sterbeprozess ablaufen?

Design

  • Querschnittsleitlinie und Teil des Onkologischen Leitlinienprogramms Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der AWMF
  • Federführung: Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Hauptergebnisse

Allgemeines Ziel der S3-Leitlinie ist, Empfehlungen zu geben, um die Lebensqualität von Patienten mit einer lebensbedrohenden Erkrankung und die ihrer Angehörigen zu erhalten oder zu verbessern. Die Autoren weisen darauf hin, dass es häufig unklar sei, ob die Erkrankung nicht heilbar oder heilbar ist im Sinne einer anhaltenden kompletten Remission. Bei kurativ behandelbaren hämatologischen Neoplasien zum Beispiel könne zwar die gute Aussicht auf Heilung bestehen, zugleich aber auch eine hohe Wahrscheinlichkeit, bei geheilter Grunderkrankung an Komplikationen zu sterben. Auch für diese Patienten oder solche mit unsicherer Prognose gelte die Leitlinie.

Im neuen Kapitel „Therapiezielfindung und Kriterien der Entscheidungsfindung“ werden diese Aspekte erläutert. Ebenfalls hinzugekommen sind die Kapitel Fatigue, schlafbezogene Erkrankungen und nächtliche Unruhe, Übelkeit und Erbrechen (nicht Tumortherapie-induziert), maligne intestinale Obstruktion, maligne Wunden, Angst und Todeswünsche.

Dabei werden Ausdrucksformen von Todeswünschen, ihre Ursachen und ihre Bedeutung für den Patienten differenziert, unter anderem auch, um das Risiko für einen Suizid einschätzen zu können.

Klinische Bedeutung
Die S3-Leitlinie soll die Versorgungsqualität verbessern, besonders auch bei den neu aufgenommenen Aspekten. So werde zum Beispiel die Mehrzahl der Patienten mit tumor­be­­dingter Fatigue nicht ausreichend medizinisch versorgt, sagte Claudia Bausewein vom Klinikum der Universität München, eine Koordinatorin der Leitlinie und Vor­stands­mitglied der DGP. Eine ursächliche Behand­lung der Fatigue sei oftmals langwierig und deshalb für Menschen am Lebensende „leider ungeeignet“. In diesen Fällen biete sich eine Be­hand­lung der Symptome eher an, beispielsweise durch eine medika­mentöse Therapie oder durch Verhaltenstherapie. Auch Bewegungstraining könne infrage kommen.

Finanzierung: Deutsche Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie