S3-Leitlinie kolorektales Karzinom aktualisiert: kürzere adjuvante Chemotherapie empfohlen


  • Oncology guidelines update
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Kernbotschaften

Wenn bei kolorektalen Karzinomen im Stadium III eine adjuvante Chemotherapie erfolgt, reichen 3 Monate aus, sofern der Patient ein niedriges Rezidivirisiko hat. Eine 6 monatige Chemotherapie wird nur dann empfohlen, wenn ein hohes Rückfallrisiko besteht (Status T4/N2).

Hintergrund

Kolorektale Karzinome sind bei Frauen die zweithäufigsten und bei Männern die dritthäufigsten Malignome. Für das Jahr 2018 wird mit 58 900 Neuerkrankungen gerechnet. In allen Stadien wird versucht, Tumorgewebe vollständig zu resezieren.

Die adjuvante Chemotherapie zur Rezidivprophylaxe ist die zweite wesentliche Säule der Behandlung neben der Operation. Die Antworten auf die Frage, welche Patienten welche Zytostatikaregime in der adjuvanten Situation erhalten sollten, differenzieren sich bei kolorektalen Karzinomen zunehmend. Ob Deeskalationen möglich sind, ist eine wichtige Fragestellung in der klinischen Forschung.

Design

Bewertung der aktuellen klinischen Untersuchungen und der Evidenz für Empfehlungen nach den Kriterien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe.

Hauptergebnisse

  • Für die adjuvante Behandlung sollte die akkumulierende (Neuro- )Toxizität engmaschig gegen den therapeutischen Nutzen abgewogen werden. Bei niedrigem Rezidivrisiko (T1-3 N1) sollte deshalb eine 3-monatige oxaliplatinhaltige Therapie nach dem CAPOX/XELOX-Schema (Capecitabin/Oxaliplatin) erfolgen.
  • Bei Patienten mit hohem Risiko (T4 oder N2-Stadium) sollte die Behandlung weiterhin Oxaliplatin-basiert (FOLFOX oder CAPOX/XELOX) über 6 Monate geplant werden.

Begründet wird die Empfehlung mit den Daten der IDEA-Studie (International Duration Evaluation of Adjuvant Therapy). Sie hatte die Nicht-Unterlegenheit einer 3-monatigen adjuvanten FOLFOX/CAPOX-Chemotherapie gegenüber einer 6-monatigen nachgewiesen (2).

Klinische Bedeutung

Die kürzere Behandlungszeit erreicht vergleichbare Raten an krankheitsfreiem Überleben: nämlich 74,6 % nach 3 Jahren unter 3-monatiger Behandlung und 75,5 % nach 3 Jahren bei 6-monatiger adjuvanter Therapie in der IDEA-Studie. Die Neurotoxizität (Grad 3 und 4) aber war in beiden Zytostatikaregimen bei einer Dauer von 3 Monaten erheblich reduziert im Vergleich zur Behandlung über 6 Monate. Die Neurotoxizität lässt sich bei kürzerer Behandlungsdauer vermindern. Das ist wegen des hohen durchschnittlichen Alters von 74 Jahren bei Erstdiagnose von großer Bedeutung für die Patienten.