Rückenschmerzen: Viele Rezepte, wenig Beratung


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Drei von vier Berufstätigen hatten im letzten Jahr mindestens einmal mit Rückenleiden zu tun und jeder siebte leidet unter chronischen Rückenschmerzen. Trotz zahlreicher Angebote in Form von Präventionsprogrammen und Gesundheitskursen: Die Deutschen leiden immer häufiger an Rückenschmerzen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse des DAK-Gesundheitsreports, bei dem die Daten von 2,5 Millionen Berufstätigen ausgewertet und über 5.000 Menschen befragt wurden.

Und immer mehr Menschen gehen mit ihren Schmerzen direkt ins Krankenhaus. Insgesamt 220.000 Mal suchten Patienten wegen Schmerzen ein deutsches Krankenhaus auf, bei knapp jedem zweiten handelte es sich um einen Notfall. Rückenleiden sind mittlerweile der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Einer von 20 Berufstätigen ist mindestens einmal im Jahr wegen eines Rückenleidens nicht arbeitsfähig. Zu den Ursachen zählen lauf dem Report Arbeiten in unbequemer Körperhaltung, aber auch Termin- und Leistungsdruck sowie eine schlechte Work-Life-Balance.

Die Allermeisten behandeln sich erst einmal selber mit Schonung, Bädern und Heizkissen. Jeder dritte geht zum Arzt, wenn die Schmerzen nicht verschwinden. Sechs von zehn Patienten bekommen ein Rezept für den Physiotherapeuten, rund 40 Prozent nehmen ein Schmerzmittel ein. Rund 25 Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen erhalten ein CT oder ein MRT. Doch nur jeder fünfte wird vom Arzt beraten, wie er den Schmerz lindern oder lernen kann mit ihm zu leben.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) begrüßt das Signal, das von diesem Report ausgeht und befürwortet eine Zusammenarbeit der verschiedenen Facharztgruppen. Dazu der Präsident der DGPPN Prof. Dr. Arno Deister: „Psychische Prozesse können bei körperlichen Leiden einen erheblichen Einfluss haben.... Die Ergebnisse des DAK-Reportes insbesondere im Zusammenhang mit der Entstehung von Rückenschmerz sollten wir ernstnehmen. Ein langfristiges Rückenleiden bedeutet nicht nur eine hohe Belastung für den Erkrankten selbst und sein unmittelbares Umfeld, es trägt auch zu einem eklatanten Anstieg von Arbeitsausfällen bei. Deshalb möchten wir als Fachgesellschaft für eine verbesserte multiprofessionelle Zusammenarbeit und einen vernetzten fachärztlichen Austausch sensibilisieren. In vielen Fällen können Rückenbeschwerden nur durch Einbeziehung von Psychiatern oder Psychosomatikern hinreichend abgeklärt werden. Nur durch niedrigschwellige Angebote ist so auch Frühintervention und Prävention möglich, um langfristigen Rückenleiden entgegenzuwirken.“