Rückenwind für die Herzinsuffizienz-Therapie mit SGLT-2-Hemmern

  • ESC/New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Neue Studien-Daten zu dem SGLT-2-Hemmer Empagliflozin geben einer Herzinsuffizienz-Therapie mit SGLT-2-Hemmern bei Patienten mit Diabetes und auch ohne Diabetes weiteren Rückenwind. Die Daten der Empagliflozin-Studie (EMPEROR Reduced) sind am Wochenende beim virtuellen Kongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft vorgestellt worden und zeitgleich im „New England Journal of Medicine" erschienen.

Hintergrund

Die vor fünf Jahren publizierte Empagliflozin-Studie EMPA-REG OUTCOME hatte bei Typ-2-Diabetes-Kranken eine signifikante Reduktion schwerwiegender unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall) und herzinsuffizienz-bedingter Hospitalisierungen ergeben. Nachfolgende kardiovaskuläre Outcome-Studien mit anderen SGLT2-Inhibitoren hatten ähnliche Ergebnisse. Auf alle geprüften Gliflozine traf zu, dass sie die Häufigkeit Herzinsuffizienz-bedingter Klinikaufenthalte reduziert hatten. Diese Ergebnisse führten zu der Frage, ob der Nutzen von SGLT-2-Hemmern bei Herzinsuffizienz unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes sind. Diese Frage wurde im Jahr 2019 mit der Veröffentlichung der Dapagliflozin-Studie DAPA-HF-Studie bejaht. Am 5. Mai dieses Jahres erteilte die FDA dem Gliflozin die Zulassung für die Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion. In der vorliegenden Studie wurde daher geprüft, ob auch Empagliflozin unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes mellitus vor kardiovaskulären Ereignissen schützt. 

Design

In dieser Doppelblindstudie erhielten 3730 Patienten mit Herzinsuffizienz der NYHA-Klassen II, III oder IV und einer Ejektionsfraktion von 40% oder weniger nach dem Zufallsprinzip zusätzlich zur empfohlenen Therapie Empagliflozin (10 mg einmal täglich) oder Placebo (im Verhältnis von 1 zu 1). Die Patienten waren im Mittel 67 Jahre alt, der Frauen-Anteil betrug knapp ein Viertel: Bei der Hälfte der Studienteilnehmer handelte es sich um Diabetes-Kranke. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer hatten eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion von 30 oder weniger Prozent. Knapp 20 Prozent erhielten zur Herzinsuffizienz-Therapie Sacubitril plus Valsartan. Das primäre Ergebnis war eine Kombination aus kardiovaskulärem Tod oder Krankenhausaufenthalt wegen Progredienz der Herzinsuffizienz. 

Hauptergebnisse

  • Innerhalb von 16 Monaten (Median) trat bei 361 von 1863 Patienten (19,4%) in der Empagliflozin-Gruppe und bei 462 von 1867 Patienten (24,7%) in der Placebo-Gruppe ein primäres Endpunktereignis auf (Hazard Ratio für kardiovaskulären Tod oder Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz) 0,75; 95% -Konfidenzintervall [CI] 0,65 bis 0,86; P
  • Die Wirkung von Empagliflozin auf den primären Endpunkt war unabhängig vom Vorhandensein oder Fehlen von Diabetes konsistent: Bei Patienten mit Diabetes betrug die HR 0,72 (0,60 - 0,87), bei Patienten ohne Diabetes HR 0,78 (0,64 - 0,97) 
  • Die Gesamtzahl der Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz war in der Empagliflozin-Gruppe niedriger als in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio 0,70; 95% CI 0,58 bis 0,85; P
  • Beim Einzelparameter kardiovaskulärer Tod war das Ergebnis mit einer HR von 0,92 (95% CI, 0,75 - 1,12) statistisch nicht signifikant. 
  • Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate nahm in der Empagliflozin-Gruppe langsamer ab als in der Placebo-Gruppe (jährlich 0,55 versus 2,28 ml, p
  • Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse gab es bei 41,4 Prozent der Patienten mit Empagliflozin und bei 48,1 Prozent der Patienten in der Kontroll-Gruppe.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Ergebnisse bei DAPA-HF kein Zufall waren, und geben der Therapie mit SGLT2-Inhibitoren bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion Rückenwind. Eine Frage, die nun sicher diskutiert werden wird, ist unter anderen die, ob die bisherige Datenlage es hergibt, einen bestimmten SGLT-2-Hemmer in der Herzinsuffizienz-Therapie zu bevorzugen, oder ob es klinisch ohne Bedeutung ist, welcher Wirkstoff verwendet wird. 

Finanzierung: Boehringer Ingelheim und Eli Lilly