Rohkost aus deutschen Supermärkten: Keime mit Mehrfach-Antibiotika-Resistenzen nachgewiesen


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Deutsche Forscher haben auf folienverpacktem Mix-Salat, auf nicht abgepacktem Rucola und auf Koriander als Gewürzpflanze verschiedene Antibiotika-Resistenzgene von Escherichia coli nachgewiesen. Die Wissenschaftler raten, solche Frischeprodukte vor dem Verzehr sehr gründlich zu waschen, sie bei erhöhtem Infektionsrisiko kurz auf 70 ° C zu erhitzen - oder darauf zu verzichten.

Hintergrund

Dass abgepackte, geschnittene Salate mit Hygiene-relevanten Bakterien kontaminiert sein können, ist bereits belegt. Bislang aber war wenig bekannt darüber, ob auf solchen Frischeprodukten auch Keime mit Antibiotika-Resistenzen vorkommen und wenn ja, wo im bakteriellen Genom diese Antibiotika-Resistenzgene lokalisiert sind. Die Frage der Lokalisierung ist deshalb wichtig, weil Gene auf Plasmiden außerhalb des Chromosoms (exogene Plasmide) sehr mobil sein können und sowohl innerhalb der Bakterien-Art, als auch Spezies-übergreifend weitergegeben werden.

Design

  • Phänotypische und genotypische Charakterisierung von E. coli-Bakterien, die von Mix-Salaten, Korianderpflanzen und von Rucola aus dem Supermarkt isoliert wurden (jeweils 24 Proben)
  • DNA-Analysen auf mehrere Tetrazyklin-Resistenzgene von E. coli, und zwar
    • direkt nach dem Kauf der Produkte
    • nach Kultivierung über Nacht und
    • nach 7 Tagen
  • Charakterisierung der Gene auch auf andere Resistenzen außer Tetrazykline und Lokalisierung in oder außerhalb des Chromosoms

Hauptergebnisse

Auf allen drei Arten von Rohkost wurden Antibiotika-Resistenzgene von E. coli gefunden, am häufigsten auf Korianderpflanzen aus dem Supermarkt, gefolgt von Salatmixen und – seltener – auf unverpacktem Rucola. Die Mehrzahl der E.coli-Isolate war resistent gegenüber mindestens einer weiteren Antibiotikaklasse außer Tetrazyklinen, die meisten gegen Ampicillin, Amoxycillin und Trimethoprim. Es gab aber auch hochresistente extended-Spektrum-Betalaktamase (ESBL) produzierende E. coli (XDR-Erreger). Zwei Isolate waren resistent gegenüber acht Antibiotikaklassen: Tetrazyklinen (Tetrazyklin und Doxycyclin), Penicillinen (Ampicillin und Amoxycillin), mehreren Cephalosporinen der dritten Generation, Fluorochinolonen (Ciprofloxacin, Ofloxacin, Nalidixinsäure), Aminoglykosiden, Sulfonamiden, einem Phenicol (Chloramphenicol) und Trimethoprim.

Klinische Bedeutung

Erstmals wurden bei Rohkostprodukten E.coli-Stämme nachgewiesen, die Plasmide mit Antibiotika-Resistenzgenen tragen, meist Multi-Drug-Resistenzen, resümieren die Autoren in mBIO, der Publikation der American Society for Microbiology. Überrascht habe die Häufigkeit solcher Plasmide auf Korianderpflanzen, auch wenn dies keine repräsentative quantitative Analyse sein könne. Überrascht habe auch das Vorkommen von Plasmiden mit Resistenzen gegen acht Antibiotikaklassen. Die Menge der E.coli-Bakterien sei bei den direkt analysierten, frischen Proben gering gewesen, eine Anreicherung finde aber in kurzer Zeit statt.

Was die Ergebnisse für das gesundheitliche Risiko der Verbraucher bedeuten, werde jetzt vordringlich bewertet. Nicht auszuschließen sei, dass Enteroba kterien mit solchen Plasmiden Teil des menschlichen Mikrobioms w ü rden und zu einem Wachstumvorteil für hochresistente Erreger führten. Die Wissenschaftler raten, Rohkost vor dem Verzehr sehr gründlich zu waschen und bei erhöhtem Infektions- und Morbiditäts risiko die Produkte für mindestens 2 Minuten auf 70 ° C zu erhitz en. Eventuell sollte darauf verzichte t werden.

Finanzierung: öffentliche Mittel