Roboter-Chirurgie: Datenlage bei viszeralen Malignomen noch unzureichend


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Zum Nutzen von Robotersystemen in der onkologischen Viszeralchirurgie gibt es nicht genügend Daten aus randomisierten und kontrollierten Studien. Die roboter-gestützte Chirurgie hat ein erhebliches Zukunftspotenzial. Daher ist es notwendig, qualitativ hochwertige und aussagekräftige Studien zum Vergleich mit der konventionellen minimal-invasiven Technik durchzuführen. 

Hintergrund

In den vergangenen Jahren sind Operationen, bei denen Roboter-Systeme verwendet werden, in vielen operativen Fächern zunehmend beliebt geworden, etwa in der Urologie beim Prostata-Karzinom. Zu den theoretischen Vorteilen des am weitesten verbreiteten Robotersystems (Da-Vinci© der Firma Intuitive Surgical) zählten zum Beispiel die hochauflösende dreidimensionale, komplett stabile Sicht, die unabhängig vom Operationsassistenten sei, berichten Dr. Johanna Kirchberg und Professor Jürgen Weitz (beide Universitätsklinikum Dresden) in einem aktuellen Zeitschriftenbeitrag. Darüber hinaus bieten die Steuerungshandgriffe nach Angaben der beiden Chirurgen weitgehende vollständige Bewegungsfreiheit; zudem werde der physiologische Tremor des Operateurs herausgefiltert. Die zentrale Frage ist, ob mit einem Operationsroboter bessere Resultate als mit herkömmlichen minimal-invasiven Eingriffen erzielt werden. Das Ziel dieses Artikels ist nach Angaben der Autoren „die Darstellung der Evidenzlage der Roboter-Chirurgie in der onkologischen Viszeralchirurgie an den Organsystemen Rektum, Kolon, Magen, Ösophagus, Pankreas und Leber“.

Auswertung von zehn Studien

Die Literatur-Recherche ergab 101 Studien, wovon zehn den Einschlusskriterien der Autoren entsprachen: vier Studien wurden beim Rektumkarzinom durchgeführt (eine davon als RCT), eine Studie beim Kolonkarzinom (RCT), drei Studien beim Magenkarzinom/gastrointestinalen Stromatumor (keine RCTs), eine beim Pankreas (nur benigne Erkrankungen, keine RCTs), eine beim Ösophaguskarzinom (RCT). Die gefundenen Studien wurden nach Kriterien der evidenzbasierten Medizin (EBM) geprüft (Evidenzlevel nach Oxford Centre for Evidence- Based Medicine). 

Op-Roboter trotz mangelnder Studien zunehmend beliebt

Auffällig ist den Autoren zufolge „eine Diskrepanz zwischen der exponentiell zunehmenden Verbreitung des Operationsroboters in der onkologischen Viszeralchirurgie und dem weiterhin bestehenden Mangel an qualitativ hochwertigen randomisierten und kontrollierten Studien. Mit Ausnahme der kolorektalen Chirurgie gebe es in der onkologischen Viszeralchirurgie derzeit keine RCTs zum Vergleich der roboter-gestützten Operationen mit  laparoskopischen Eingriffen. Besser sei die Datenlage in Fachbereichen, in denen  Operationsroboter schon länger verwendet würden, etwa in der  Urologie und Gynäkologie. 

Verfrühte Euphorie nicht gerechtfertigt

Es bestehe in der roboter-gestützten Chirurgie „derzeit noch eine Diskrepanz zwischen der Begeisterung bei Patienten und roboterassistiert arbeitenden Chirurgen und der noch nicht ausreichenden Datenlage“, schreiben Kirchberg und ihr Mitautor. Eine verfrühte Euphorie sei daher nicht gerechtfertigt. Zudem sollte  bedacht werden, dass die Roboter-Chirurgie sehr kostenintensiv sei und im DRG („diagnosis related groups“)-System diese zusätzlichen Kosten derzeit nicht abgebildet würden. In der Zukunft, so Kirchberg und Weitz, werde sich zeigen, ob die klinischen Vorteile des Op-Roboters „die ökonomischen Zwänge überwiegen und sich die Roboter-Chirurgie in der Viszeralchirurgie etablieren kann“. 

Finanzierung: keine Angaben