WERBUNG

Robert Koch-Institut veröffentlicht erstmals Frauengesundheitsbericht

  • Robert Koch-Institut (RKI)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten

Kernbotschaften

Die Lebenserwartung von Frauen in Deutschland steigt seit vielen Jahrzehnten an, allein seit 1991 um 4,3 auf nunmehr 83,3 Jahre. Damit liegt sie deutlich über der der Männer. Während Mädchen und Frauen in der Kindheit und im Erwachsenenalter gesünder sind als Jungen und Männer, kehrt sich dies bei den Jugendlichen um. Das zeigt der erste Bericht zur „Gesundheitlichen Lage der Frauen in Deutschland“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Statistischen Bundesamtes, der kürzlich veröffentlicht wurde. Erstmals werden darin auf knapp 400 Seiten Gesundheitszustand, Krankheiten und Gesundheitsverhalten von Frauen in allen Altersgruppen beleuchtet.

Frauen leiden häufiger unter Depression, Angst- und Essstörungen

Zu den Erkrankungen, von denen Frauen häufiger betroffen sind, gehören Muskel- und Skelett-Erkrankungen – vor allem Arthrose, Osteoporose und rheumatoide Arthritis – sowie eine Reihe psychischer Erkrankungen wie Depression, Angststörungen und Essstörungen, heißt es im Bericht des RKI. Auch seien Suizidversuche bei Frauen häufiger als bei Männern, die Anzahl der vollzogenen Suizide ist jedoch geringer.

Neben biologischen, psychischen und sozialen Faktoren, die offenbar eine Rolle für bestehende Geschlechterunterschiede spielen, scheint es laut der Autoren auch Unterschiede in der ärztlichen Diagnosestellung zu geben: So werde bei gleicher Symptomatik bei Frauen häufiger eine psychische, bei Männern eine körperliche Erkrankung diagnostiziert.

Diabetes: Schutzeffekt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei weiblichen Betroffenen abgeschwächt

Geschlechterunterschiede gibt es auch bei Diabetes mellitus. Nach RKI-Angaben ist die Prävalenz bei Frauen etwas niedriger als bei Männern, und Frauen sind seltener von Spätfolgen betroffen. Allerdings sei das relative Risiko, eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln, bei Frauen mit Diabetes deutlich höher als bei Männern mit Diabetes. Damit sei der Schutzeffekt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetes-Patientinnen deutlich abgeschwächt, räumen die Autoren ein. Auch das Thema Schwangerschaftsdiabetes, der mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschafts-komplikationen verbunden ist, wird im Bericht eingehend diskutiert.

Frauen sind gesundheitsbewusster und nehmen mehr Versorgungsleistungen in Anspruch als Männer

Frauenürden sich außerdem oftmals gesundheitsbewusster als Männer verhalten, wie die Auswertung des Berichts zeigt. So rauchen Frauen im Vergleich zu Männern nicht nur seltener täglich oder gelegentlich, sie rauchen auch seltener stark, also 20 oder mehr Zigaretten am Tag. Frauen trinken zudem weniger Alkohol als Männer und sind seltener von alkoholbezogenen Störungen wie Missbrauch und Abhängigkeit betroffen. Darüber hinaus ernähren sich Frauen ausgewogener.

Auch nehmen Frauen häufiger Versorgungssleistungen in Anspruch als Männer. Den RKI-Angaben zufolge nutzen rund 91 Prozent der Frauen und 84 Prozent der Männer innerhalb eines Jahres ambulante ärztliche Versorgungsleistungen. Gleiches gilt für die Einnahme von Medikamenten: Frauen würden häufiger Arzneimittel anwenden als Männer, sowohl mit ärztlicher Verordnung als auch in Selbstmedikation, heißt es im Bericht.

In einigen Bereichen zeigen sich allerdings auch rückläufige Tendenzen: So ist der Anteil der Frauen, die eine Hormontherapie in den Wechseljahren anwenden, in den letzten 20 Jahren deutlich gesunken. Auch der Anteil der Frauen, welche die Pille zur Verhütung nutzen, geht besonders bei den Jüngeren zurück. Mit Blick auf gynäkologische Operationen zeigt sich aut RKI-Bericht eine abnehmende Zahl der Gebärmutterentfernungen, und ein leichter Rückgang der Kaiserschnittraten.

„Eine gute medizinische Versorgung berücksichtigt immer auch das Geschlecht. Manche Erkrankungen lösen bei Frauen andere Symptome aus als bei Männern. Andere erfordern eine spezifische Behandlung. Um Prävention, Diagnose und Therapie weiter zu verbessern, müssen wir die Unterschiede kennen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Veröffentlichung des Frauengesundheitsberichts. Der Frauengesundheitsbericht des RKI liefere dafür wichtige Daten und Erkenntnisse.