RKI-Statistik: Sieben Prozent der Schulanfänger unzureichend gegen Masern geschützt

  • Robert Koch-Institut

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Impfdaten der Schuleingangsuntersuchungen aus dem Jahr 2017 lassen weiterhin bestehende Impflücken erkennen. Das geht aus einer neuen Statistik hervor, die das Robert Koch-Institut (RKI) im Epidemiologischen Bulletin 18/2019 veröffentlicht hat (1). Während 97,1 Prozent der Schulanfänger die erste Masern-Impfung erhalten haben, kann bei der entscheidenden zweiten Masernimpfung die gewünschte Impfquote von 95 Prozent noch immer nicht auf Bundesebene erreicht werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist darauf hin, dass es auch bei den nach 1970 Geborenen viele Impflücken gibt und rät, den eigenen Impfstatus zu überprüfen (2).

Stagnation der Masern-Impfquote

Die Quoten der lange etablierten Kinder-Standardimpfungen liegen weiterhin auf hohem Niveau, sind in den letzten drei Jahren jedoch leicht und kontinuierlich gesunken, heißt es im aktuellen Bericht des RKI. Zwar erreichen weiterhin alle Bundesländer eine Impfquote von mindestens 95 Prozent für die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Dennoch bestehe noch immer Verbesserungsbedarf hinsichtlich der zweiten Impfung. Die aktuellen Daten zeigen, dass die Impfquote für die zweite Masernimpfung nach einem deutlichem Anstieg seit 2008 erstmals wieder stagniert. So waren im Jahr 2008 nur 89,0 % der einzuschulenden Kinder zweimal gegen Masern geimpft, 2012 waren es 92,4 % und 2017 waren es 92,8 % (0,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr). Insgesamt wurden die Daten der Schuleingangsuntersuchungen von rund 650.000 Kindern ausgewertet.

Regionale Unterschiede in der 2. Masern-Impfung

Nur in zwei Bundesländern liegt die für die Masern-Elimination angestrebte Impfquote für die zweite Masernimpfung über der Zielmarke von 95 Prozent: Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 95,5 Prozent. Maximal 1,0 Prozentpunkt darunter lagen nur Sachsen-Anhalt (erstmals seit 2017), in der Vergangenheit auch Nordrhein-Westfalen (2011 – 2016), Niedersachsen und Schleswig-Holstein (2014 – 2015) sowie Thüringen (2008 – 2013). Die schlechtesten Quoten für die zweite Masernimpfung von Schulanfängern gibt nach den aktuellen Daten in Baden-Württemberg (89,1 Prozent) und im Saarland (90,5 Prozent).

BzgA: Gemeinsame Anstrengung aller Akteure notwendig

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betont hinsichtlich der aktuellen Zahlen die Wichtigkeit, Impflücken im Kindesalter, aber auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zu schließen: „Zum Schutz vor Masern ist nicht nur der rechtzeitige Aufbau des Impfschutzes bis zum Ende des zweiten Lebensjahres von Bedeutung, sondern auch Erwachsene, die nach 1970 geboren sind, sollten ihren Impfschutz gegen Masern überprüfen lassen“, lautet der Appell von BZgA-Leiterin Dr. Heidrun Thaiss in einer aktuellen Mitteilung (2). Informationen der Bundeszentrale richten sich daher gezielt an Eltern und an nach 1970 geborene Erwachsene.

Zudem bietet die Behörde Multiplikatoren Informationsmaterialien an, um das öffentliche Bewusstsein für das Thema Impfen zu stärken. Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativbefragung der BZgA zeigen, dass vor allem die Ärzteschaft bei der Aufklärung zu gesundheitsrelevanten Themen eine Schlüsselrolle einnimmt: So halten nahezu alle Befragten (97 Prozent) ein persönliches Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt für geeignet, um sich über Impfungen im Kindes- und Erwachsenenalter zu informieren. „Daher sollte jeder Kontakt zum Gesundheitssystem genutzt werden, um den Impfstatus zu kontrollieren und Impfungen aktiv anzubieten“, resümiert Thaiss.