RKI: SARS-CoV-2-Antikörper nur in 1,3 Prozent der Blutspenden

  • Robert Koch-Institut

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

In fast 12.000 Proben von erwachsenen Blutspendern in ganz Deutschland ist der Anteil von Personen mit spezifischen Antikörpern gegen SARS-CoV-2 mit 1,3 Prozent gering. Bei nur einem Drittel der positiv getesteten Blutproben waren außerdem neutralisierende Antikörper nachweisbar. Dies geht aus den Ergebnissen der Zwischenauswertung einer bundesweiten Antikörper-Studie (SeBluCo-Studie) des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor.

Zweite Infektionswelle möglich

Proben von Blutspendern seien zwar nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung, dennoch gehe man davon aus, dass aufgrund der niedrigen Prävalenz von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in der untersuchten Stichprobe vermutlich ein Großteil der Bevölkerung weiterhin für eine Infektion empfänglich sei, heißt es im aktuellen Epidemiologischen Bulletin des RKI. Somit könnte bei erneutem Anstieg der Übertragungen auch eine weitere Infektionswelle auftreten.

Für die Studie wurden von April 2020 an Blutproben von Erwachsenen aus 29 Regionen in ganz Deutschland getestet. Diese wurden mittels IgG-ELISA auf das Vorliegen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 untersucht. Mit den Daten (Stand vom 30.6.2020) wurde eine Zwischenauswertung der bisher untersuchten 11.695 Proben, die etwa 20 % des geplanten Studienumfanges ausmachen, durchgeführt.

Neutralisierende Antikörper nur bei 30 Prozent der positiven Proben

Der serologische Nachweis spezifischer Antikörper gegen SARS-CoV-2 fiel nur bei 1,3 Prozent der getesteten Personen positiv aus. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass von den bisher 75 in einem ergänzenden Neutralisationstest untersuchten Proben nur 30 Prozent auch nachweisbare neutralisierende Antikörper enthielten. Diese Untersuchungen seien jedoch noch nicht vollständig, sodass der Anteil der seropositiven Personen mit nachweisbaren neutralisierenden Antikörpern noch nicht endgültig abgeschätzt werden könne, räumen die Wissenschaftler ein.

Auffällig war, dass Männer signifikant häufiger von SARS-CoV-2-Infektionen betroffen waren als Frauen. Ebenfalls konnten die Wissenschaftler Unterschiede in der Altersverteilung der Seropositiven erkennen: So war die Gruppe der 40 – 49-Jährigen am wenigsten betroffen. Im Vergleich dazu waren Personen der Altersgruppen 20 – 24 Jahre, 25 – 29 Jahre, 30 – 39 Jahre und 50 – 59 Jahre signifikant häufiger seropositiv.

Testungen noch bis Ende September

Die Studie werde noch bis Ende September fortgeführt werden, berichtet das RKI. Alle zwei Wochen sollen die Antikörper-Testungen in der Gruppe der spendenden Personen wiederholt und fortlaufend ausgewertet werden. Die Wissenschaftler hoffen so auf „eine verlässliche Abschätzung der zeitlichen und regionalen Entwicklung der Durchseuchung“.