RKI: Neun Millionen Menschen 2017/18 wegen Influenza beim Arzt


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Grippewelle im Winter 2017/18 ist außergewöhnlich schwer gewesen. Dies berichtet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert Koch-Instituts in ihrem aktuellen Influenza-Saisonbericht. Laut Schätzungen der AGI konsultierten rund neun Millionen Menschen auf Grund einer Influenza ihren Arzt. Das sind zwei Millionen mehr als in den starken Grippesaisons 2012/13 und 2014/15. Besonders betroffen waren die Altersgruppen ab 35 Jahren.

Hintergrund

Obwohl die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Immunisierung gegen Influenza für alle über 60-Jährigen, für chronisch Kranke und Schwangere sowie für Medizin- und Pflegepersonal eindringlich empfiehlt, waren die Impfraten hierzulande insgesamt sehr niedrig. Laut RKI entschieden sich in der Grippesaison 2016/2017 gerade einmal rund 35 Prozent der Personen über 60 Jahre für eine Impfung. In der Ärzteschaft nahmen zwei Drittel die Impfung in Anspruch, und beim Pflegepersonal war es sogar nur ein Drittel.

Design

Im Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland werden jedes Jahr die Ergebnisse der Influenzaüberwachung des RKI zusammengefasst. Dabei wird die Krankheitslast mit dem Praxisindex gemessen, für den rund 550 Arztpraxen bundesweit ehrenamtlich die Zahl ihrer Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen melden.

Hauptergebnisse

Der Praxisindex war in der Grippewelle 2017/18 so hoch wie in keiner der früheren Saisons, seit das RKI 2001 die wissenschaftliche Federführung der AGI übernommen hat, heißt es in dem Bericht. Damit liege die Zahl mit zwei Millionen noch weit über den besonders starken Grippesaisons 2012/13 und 2014/15. Auffällig sei auch, dass die Altersgruppen ab 35 Jahren besonders häufig betroffen waren.

Ein ähnliches Bild zeige sich laut AGI-Bericht auf den Intensivstationen. So liege die Zahl der Patienten, die mit schweren akuten respiratorischen Erkrankungen ins Krankenhaus eingewiesen wurden, ebenfalls deutlich höher als in den vergangenen drei Grippe-Saisons. Auch die Zahl der Todesfälle in der vergangenen Saison sei erneut sehr hoch. So übertreffen die im Bericht gezeigten Daten für Berlin mit geschätzten 1.100 zusätzlichen Todesfällen die bereits hohen Schätzwerte für 2016/17.

Klinische Bedeutung

„Hierzulande lassen sich mit keiner anderen Impfung mehr Leben retten, betonte RKI-Präsident Lothar H. Wiehler anlässlich des aktuellen Influenza-Berichts. Auch wenn die Influenzaimpfung trotz guter Übereinstimmung der zirkulierenden Viren nicht so gut wirksam sei wie andere Impfungen. Aufgrund der Häufigkeit der Influenza können mit der Impfung dennoch sehr viele Erkrankungen, schwere Verläufe und Todesfälle verhindert werden. Außerdem werden vor allem gründliches Händewaschen mit Seife und Abstandhalten zu Erkrankten empfohlen, um das Erkrankungsrisiko zu verringern, so das RKI.