RKI: Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiterhin zu niedrig

  • Robert Koch-Institut

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Erstmals hat das Robert Koch-Institut (RKI) Daten zum Impfstatus aus den Schuleingangsuntersuchungen und Abrechnungsdaten der niedergelassenen Ärzte ausgewertet und in einer Gesamtschau präsentiert. Danach sind Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland in allen Altersklassen weiterhin zu niedrig. Die Ergebnisse der Analyse wurden jüngst im Epidemiologischen Bulletin 32/33 2020 veröffentlicht.

„Die Ergebnisse zeigen, dass immer noch wichtige Impfziele verfehlt werden“ betont RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler in einer Pressemitteilung des Instituts. Zudem werden Impfserien zu oft später begonnen, als von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, und nicht zeitgerecht abgeschlossen. Dadurch blieben Kinder unnötig lange ungeschützt; wichtige internationale Impfziele zur Ausrottung von Polio oder Masern würden verfehlt.

Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten gehen zurück, Masernimpfungen nehmen zu

Generell zeigte sich laut Analyse in den vergangenen Jahren ein leichter Rückgang der Impfquoten bei den Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. Bei den Impfungen gegen Poliomyelitis und Haemophilus influenzae Typ b scheint indessen der Impfstatus zum Stillstand gekommen zu sein. Hingegen sind die Impfqouten der Hepatitis-B-Impfung erstmals wieder leicht gestiegen. Gleiches gilt auch für die Masernimpfung: So waren im Alter von 24 Monaten zuletzt 68 Prozent der Kinder zweimal gegen Masern geimpft; zum Schuleingang hatten 93 Prozent der Kinder die 2. Impfung erhalten.

Trotz der positiven Entwicklung waren zum 6. Geburtstag allerdings noch immer rund 35.000 Kinder in Deutschland ohne Masernimpfung, berichten die RKI-Wissenschaftler. Die Auswirkungen des Masernschutzgesetzes sollen in den zukünftigen Berichten untersucht werden.

HPV-Impfung bei 15-jährigen Mädchen gut angenommen

Eine positive Entwicklung konnten die RKI-Wissenschaftler vor allem bei der Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) verzeichnen. So seien Mädchen im Alter von 15 Jahren über die vergangenen Jahre immer häufiger gegen HPV geimpft. Dieser Anstieg gehe laut RKI vermutlich vor allem auf das von der STIKO 2014 gesenkte empfohlene Impfalter zurück, einer damit einhergehenden besseren Erreichbarkeit der Kinder über Routinevorsorgeuntersuchungen und der Möglichkeit eines reduzierten Impfschemas. Wie stark die HPV-Impfung von Jungen genutzt werde, wird indessen Bestandteil des Berichtes im kommenden Jahr sein.

Impfquoten von Region zu Region unterschiedlich

Die Analysen zeigten außerdem große regionale Unterschiede beim Impfstatus: Während in manchen Regionen ausreichend hohe Impfquoten erreicht werden, sieht es in anderen Regionen weniger gut aus. So können lokal niedrige Impfquoten für Ausbruchsgeschehen verantwortlich sein, sobald ein hochansteckender Erreger wie beispielsweise das Masernvirus in solche Regionen importiert wird, betont das RKI und fordert „die Ursachen regionaler Impflücken zu untersuchen und bei Bedarf Gegenmaßnahmen zu ergreifen.“

Eine Auswertung des Impfstatus bei Kindern und Jugendlichen soll künftig einmal jährlich im Sommer erscheinen. Für die aktuelle Untersuchung wurden die Daten zum Impfstatus aus den Schuleingangsuntersuchungen 2018 und Abrechnungsdaten bis einschließlich 2019 verwendet.