RKI: HPV-Jungenimpfung vermeidet langfristig zusätzlich tausende von Krebserkrankungen


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Durch die Einführung einer zusätzlichen Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) bei Jungen könnten in den kommenden 100 Jahren zusätzlich mehr als 22.000 Zervixkarzinome und 25.000 andere HPV-assoziierte Karzinome verhindert werden. Vorausgesetzt es würden etwa ein Fünftel der Jungen gegen HPV geimpft. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universität Bielefeld, die im Auftrag des Robert-Koch-Instituts (RKI) die langfristigen Effekte der HPV-Jungenimpfung anhand eines mathematischen Modells untersuchten.

Hintergrund

Während den Mädchen bereits seit 2007 die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) dringend ans Herz gelegt wird, hat die Ständige Impfkommission (STIKO) im Juni 2018 nun auch eine HPV-Impfempfehlung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren ausgesprochen. Ziel ist es, langfristig HPV-assoziierte Tumore im Urogenital- und Oropharynxbereich zu verhindern. Aktuell stehen in Deutschland mit Cervarix® und Gardasil®9 zwei verschiedene HPV-Impfstoffe für die Impfung beider Geschlechter zur Verfügung. 

Design

Um die zu erwartenden Effekte der Jungenimpfung auf die Verbreitung von HPV und HPV-assoziierten Krankheiten in der Bevölkerung abzuschätzen, entwickelten Wissenschaftlern der Universität Bielefeld ein mathematisches Modell. Die epidemiologischen Auswirkungen wurden ab 2017 für einen Zeitraum von 100 Jahren untersucht. Dieser Zeitraum wurde gewählt, um auch langfristige Effekte der HPV-Impfung berücksichtigen zu können. 

Hauptergebnisse

  • In den kommenden 100 Jahren müssten zusätzlich 22.122 Zervixkarzinome und 25.226 andere HPV-assoziierte Karzinome (bei Männern und Frauen) verhindert werden, wenn neben den Mädchen (Impfquote von 44,6 %) 22,3 % der Jungen gegen HPV geimpft würden.

  • In 100 Jahren könnten zusätzlich 5.834 Zervixkarzinom-Sterbefälle und 10.279 Sterbefälle aufgrund anderer HPV-assoziierte Karzinome durch eine HPV-Jungenimpfung verhindert werden.

  • Die Anzahl verhinderbarer Krebs- und Sterbefälle würde ansteigen, wenn die Impfquote bei den Jungen im Alter von 17 Jahren über 22,3 % liegen würde.

  • Für die Verhinderung eines Zervixkarzinom-Erkrankungsfalls müssten 527 Jungen gegen HPV geimpft werden (NNV: 527). Die NNV für die Verhinderung eines HPV-assoziierten Krebsfalls (bei Frauen und Männern) beträgt 246. Für die Verhinderung eines Falls von Genitalwarzen (bei Frauen und Männern) müssten 64 Jungen geimpft werden.

Therapeutischer Nutzen

Die Modellierung der HPV-Jungenimpfung zeigt, dass bei Zugrundelegung der aktuellen Impfquoten der Mädchen die HPV-Impfung von Jungen zu einer deutlichen Reduktion der Krankheitslast von HPV- assoziierten Tumoren in beiden Geschlechtern führt, heißt es im Epidemiologischen Bulletin 26/2018. Außerdem ermögliche eine HPV-Jungenimpfung Jungen und Männern den Aufbau eines eigenen Impfschutzes vor einer HPV-Infektion sowie vor Genitalwarzen und Karzinomen, unabhängig davon wie hoch die Impfquote der Mädchen ausfällt.