RKI: Erste Ergebnisse zur Wirksamkeit der saisonalen Influenzaimpfung


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen:

  • Die Dreifachimpfung hat durch Kreuzprotektion auch eine gewisse Schutzwirkung gegen die dominanten Influenza-B-Viren der Yagamata-Linie.
  • Die Impfeffektivität in der aktuellen Influenzasaison liegt bei durchschnittlich 46 Prozent.
  • Die Wirksamkeit der Impfung nimmt mit zunehmendem Alter ab.
  • Der BVKJ fordert chronisch kranke und behinderte Kinder jetzt noch mit dem Vierfach-Impfstoff impfen zu lassen.

Besser als gedacht fällt die aktuelle Fall-Kontroll-Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Schutzwirkung der trivalenten Grippeimpfstoffe aus. Während in dieser Grippesaison Influenza-B-Viren der Yagamata-Linie mit 72 Prozent am häufigsten in den Proben von Patienten mit laborbestätigter Influenza vorkommen, ist dieser Subtyp nur im quadrivalenten Impfstoff enthalten. Der Grund, warum die Dreifachimpfung wegen mangelnder Wirksamkeit vermehrt unter Beschuss geraten ist.

Die im Epidemiologischen Bulletin 6/2018 publizierte Studie deutet nun jedoch auf eine Kreuzprotektion der Impfstoffkomponente der Influenza-B-/Victoria Linie in den TIV-Vakzinen gegen die dominant zirkulierenden B-Impfviren aus der Yagamata-Linie hin. Die Ergebnisse beruhen auf Daten von 1391 Patienten, die wegen einer akuten Atemwegserkrankung mit grippeähnlichen Symptomen (ILI /„influenza-like-illness“) zwischen Oktober und Februar eine Arztpraxis aufsuchten. Bei knapp einem Drittel der Patienten wurde eine laborgesicherte Influenzainfektion festgestellt („Fälle“) Bei den restlichen 69 Prozent konnte der anfängliche Verdacht nicht bestätigt werden („Kontrollen“). Während nur sechs Prozent der Influenza-Fälle geimpft waren, wiesen 11 Prozent der Kontrollen einen Impfschutz auf. 

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler lag die Impfeffektivität bei durchschnittlich 46 Prozent, wobei die Wirksamkeit der Impfung mit zunehmendem Alter abnahm. Von 61 Prozent in der Altersgruppe der unter 14-Jährigen auf 45 Prozent bei den 15 bis 59-Jährigen und schließlich auf 31 Prozent bei den über 60-Jährigen. Aktuelle Daten aus Kanada, wo hauptsächlich der trivalente Impfstoff eingesetzt wurde, deuten ebenfalls auf eine zusätzliche Schutzwirkung durch die Kreuzreaktion der B-Impfviren hin. Genauere Aussagen zur Wirksamkeit der Influenzaimpfung seien laut RKI jedoch erst mit dem Fortschreiten der Grippesaison möglich. 

Indessen schlagen Kinder- und Jugendärzte in Deutschland Alarm und fordern chronisch kranke und behinderte Kinder jetzt noch mit dem Vierfach-Impfstoff impfen zu lassen. „Wir stehen machtlos vor einem riesigen Problem“, sagte jüngst der Pressesprecher und Präventionsexperte des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) angesichts der weiter zunehmenden Influenza-Aktivität. Die Dreifachimpfung wirke nicht ausreichend gegen den aktuellen Erreger und könne daher nicht alle Kinder und Jugendliche ausreichend schützen.