RKI-Bericht: Zahl der Tuberkulose-Neuerkrankungen um fast 13 Prozent zurückgegangen


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Zahl der Tuberkulose-Neuerkrankungen ist in Deutschland 2019 gegenüber dem Vorjahr um fast 13 Prozent zurückgegangen. Das geht aus dem aktuellen Bericht zur „Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland“ hervor, den das Robert Koch-Institut (RKI) kürzlich vorgelegt hat. Bedenklich seien laut RKI jedoch weiterhin hohe Fallzahlen unter Migranten, multiresistente Tuberkulosen sowie ein hoher Anteil offener, infektiöser Lungentuberkulosen.

2019 wurden insgesamt 4. 791 Tuberkulosefälle an das RKI gemeldet, was einer Inzidenz von 5,8 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner entspricht. Damit ist die Inzidenz gegenüber dem Vorjahr um 12,8 Prozent gesunken. Zuvor waren, nach einer deutlichen Zunahme im Jahr 2015, die Zahlen erstmals 2017 wieder rückläufig und stagnierten 2018.

Auch bei Kindern ist die Zahl der Erkrankungen laut Analyse gesunken, von 216 Fällen (2018) auf 196 Fälle (2019). Besonders häufig waren dabei Kinder im Alter bis fünf Jahre betroffen.

WHO-Ziel noch nicht erreicht

Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesetzte Ziel sei allerdings noch nicht erreicht, betont das RKI. Hiernach gelte für Niedriginzidenzländer wie Deutschland bis zum Jahr 2035 die Senkung der Inzidenz auf weniger als einen Fall pro 100.000 Einwohner. Dafür ist eine jährliche Abnahme der Fallzahlen von mindestens 10 Prozent erforderlich. Um das WHO-Ziel zu erreichen, müsste der aktuelle Rückgang kontinuierlich fortgesetzt werden, heißt es im RKI-Bericht. Hier bleibe abzuwarten, wie sich der Trend in den kommenden Jahren weiter entwickeln werde.

Menschen mit Migrationshintergrund am häufigsten betroffen

Die Analyse zeigt darüber hinaus, dass fast doppelt so viele Männer an Tuberkulose erkranken wie Frauen. Deutliche Unterschiede im Erkrankungsrisiko ergeben sich laut RKI-Bericht außerdem zwischen Menschen mit deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit: So traten von den Neuerkrankungen im Jahr 2019 fast drei Viertel bei Menschen mit Migrationshintergrund auf. Damit lag die Inzidenz bei Menschen, die im Ausland geboren wurden, fast 15-mal so hoch wie in der deutschen Bevölkerung. Eritrea und Somalia gehörten 2019 erneut zu den häufigsten nicht deutschen Herkunftsländern. Auch Kinder mit Migrationshintergrund erkrankten im Vergleich zu deutschen Kindern fast 14-mal so häufig an einer Tuberkulose.

Resistenzlage spielt wichtige Rolle in der Tuberkulose-Kontrolle

Zwar ist laut Bericht der Anteil an Erkrankungen durch multiresistente Keime gegenüber dem Vorjahr ebenfalls gesunken (2,6 % (2019); 3,0% (2018), dennoch sei die Resistenzsituation nach wie vor besorgniserregend. Resistenzen traten besonders häufig bei TB-Patienten aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion auf. Über 70 Prozent aller TB-Patienten hatten 2019 eine Lungentuberkulose, wobei die infektiöse, offene Lungentuberkulose deutlich häufiger auftrat als die geschlossene

Hohe Fallzahlen in Tuberkulose-Risikogruppen sowie ein großer Anteil infektiöser Lungentuberkulosen durch resistente Erreger, verdeutlichen, „dass Tuberkulose auch in Deutschland nach wie vor eine Erkrankung mit großer Public Health-Relevanz ist“, lautet das Fazit der RKI-Wissenschaftler. Die Sicherstellung einer frühzeitigen Diagnose und einer Leitliniengerechten vollständigen Therapie sei daher entscheidend für die Tuberkulosekontrolle und erfordere die Zusammenarbeit aller im Gesundheitswesen Beteiligten.