Rituximab bei Pemphigus offenbar protektiv für Herz und Stoffwechsel

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit Pemphigus ist die Gabe von Rituximab gegenüber der Kombination aus Azathioprin und Mycophenolat mofetil (MMF) mit einem annähernd halbierten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Stoffwechselerkrankungen verbunden. Allerdings war die Mortalität zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant verschieden.

Hintergrund

Die potenziell lebensbedrohliche Autoimmunerkrankung Pemphigus manifestiert sich mit Erosionen und Blasen der Haut und der Schleimhäute. Die Richtlinien empfehlen in der Erstlinientherapie systemische Kortikosteroide. Unter adjuvanten Agentien gibt es die beste Evidenz für den Anti-CD20-Antikörper Rituximab, das auch zunehmend anstelle der Kortikoid-sparenden Kombination aus Azathioprin und MMF eingesetzt wird. Über mögliche langfristige Komplikationen der letztgenannten 3 Substanzen ist noch wenig bekannt.

Design

Retrospektive, populationsbasierte Kohortenstudie zur Evaluation der langfristigen kardiovaskulären und metabolischen Resultate sowie der Mortalität bei jeweils 961 Patienten mit Pemphigus. Sie waren durch das globale Netzwerk der TriNetX Plattform eingeschlossen worden und hatten entweder Rituximab oder die Kombination aus Azathioprin und MMF erhalten. Zur optimalen Vergleichbarkeit wurden jeweils Patienten mit möglichst ähnlichen Charakteristika mittels propensity score matching gegenübergestellt.

Ergebnisse

  • 53,4 % der Teilnehmer waren Frauen, 46,6 % Männer. Das Durchschnittsalter betrug 54,8 Jahre in der Rituximab-Gruppe und 54,4 Jahre in der Vergleichsgruppe.
  • Bei allen Vergleichen war das relative Risiko RR unter Rituximab signifikant niedriger. Es betrug, mit 95%-Konfidenzintervallen:
    • Herzinfarkt: 0,45 (0,24 – 0,86; P = 0,01),
    • Schlaganfall: 0,42 (0,26 – 0,69; P < 0,001),
    • periphere Gefäßerkrankungen: 0,47 (0,28 – 0,79; P = 0,003),
    • Bluthochdruck: 0,48 (0,38 – 0,63; P< 0,001),
    • Hyperlipidämie: 0,45 (0,32 – 0,64; P < 0,001),
    • Typ-2-Diabetes: 0,63 (0,51 – 0,77; P < 0,001),
    • Übergewicht: 0,49 (0,34 – 0,72; P < 0,001), und
    • Osteoporose: 0,46 (0,30 – 0,71; P < 0,001.
  • Die Gesamtmortalität war in beiden Gruppen ähnlich: RR 0,94 (0,62 – 1,43; P = 0,77).

Klinische Bedeutung

Die Studie deutet auf einen starken kardioprotektiven Effekt der Behandlung mit Rituximab gegenüber den Vergleichssubstanzen. Eine Selektionsverzerrung halten die Autoren angesichts der Datenbasis für unwahrscheinlich, und sie schließen, dass Rituximab zumindest für Individuen mit kardiovaskulären und metabolischen Risikofaktoren zu bevorzugen sei.

Warum die Gesamtmortalität in beiden Gruppen vergleichbar ist, ist unklar. Die durchschnittliche Dauer der Nachverfolgung wird nicht genannt, jedoch wird eine Überlebenskurve präsentiert, die sich über mehr als 6000 Tage nach dem Indexereignis (der ersten Verschreibung) erstreckt. Hier verlaufen beide Kurven etwa 3000 Tage lang fast identisch, danach gab es offenbar keine weiteren Todesfälle unter Rituximab, während unter Azathioprin/MMF ca. 100 Patienten verstarben.

Finanzierung: Keine Angaben.